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RE: Garten - Tiberius Furius Victor - 09-28-2026 "Sehr verkehrt.", murmelte Aidan nur trocken. Sein Vater jedenfalls wirkte auf ihn manchmal, als stimme mit ihm so einiges nicht. Er schien manchmal nicht einmal zu verstehen, was er ihm sagte. Ob seine Mutter Recht hatte? Vielleicht hatte sein Vater ihn ja doch gern und zeigte das einfach nur... auf römisch. Es wäre sicherlich eine Möglichkeit. Und Victor wusste nicht, wie er es ihm recht machen konnte. Nun, vielleicht sollte er aufhören so zu tun, als würde er dem Unterricht nicht folgen. Und Sport... Er machte gern Sport... "Meinst du wirklich?", fragte er niedergeschlagen und ließ die Schultern hängen. Er hatte das Gefühl, viel mehr tun zu müssen als die anderen Kinder. "Ich... kann es ja versuchen..." Und doch war es ein komisches Gefühl. Er würde immer weniger für seinen Vater sein als Carus. Und sicher, sein kleiner Bruder konnte nichts dafür. Manchmal kam es ihm vor, als habe Saturninus gern, ihre Plätze wären vertauscht. Damit Carus der Sohn sein konnte, den er ignorieren durfte und er, Victor, der kluge und starke, auch wirklich sein Liebling sein konnte. Und gleich nachdem der Gedanke gekommen war, fand sich der Junge selbst ekelhaft. Denn Carus konnte ja auch nichts dafür. Was allerdings Saturnina betraf... "Nein, sie ist böse." Victors Worte waren ohne Zorn hervorgetreten. Völlig nüchterne Gewissheit klang in ihnen. "Mutter, sie ist böse, ganz und gar. Sie... Sie meint, ich soll in der Legion umkommen." Er straffte die Schultern. Immerhin war er stolz auf seine Reaktion. "Ich hab ihr gesagt, dass sie eine dumme Kuh ist und dass ich wenn ein keltischer Krieger werde! Da meinte sie, wenn sie das Vater erzählt, bringt der mich um. Das... macht er aber nicht, oder?" Er bedankte sich kleinlaut bei Rhea und nippte an dem Saft, den er so liebte. Das Essen schmeckte herrlich. Sie hatten hier immer das Beste da. Abends, nach der Arbeit, war normalerweise auch Owain da, zusammen mit seinen kleinen Brüdern. Das war immer lustig. Auch, wenn er nicht sicher war, ob Owain ihn auch mochte. Er selbst jedenfalls tat es. Mit einem Mal horchte Aidan jedoch auf. "Warte mal. Wenn du sagst, alle Römer sind verkehrt, willst du sagen, ich bin auch verkehrt!?" RE: Garten - Furiana Deirdre - 09-29-2026 Ich verzog ein wenig traurig das Gesicht, als Aidan seinen Vater als sehr verkehrt bezeichnete. "Glaub mir, dein Vater liebt dich sehr. Dein Vater hätte mich nicht freilassen müssen und dir kein Bürgerrecht besorgen müssen. Dann würdest du jetzt die Böden der Villa schrubben, die Latrinen sauber machen oder die Pferdeställe ausmisten, statt dass wir hier in diesem Haus leben könnten." Natürlich hatten meine Söhne auch als Kinder schon Aufgaben im Haushalt, aber Sklavenkinder wuchsen doch ganz anders auf und hatten schon Vollzeitjobs von klein auf statt nach dem Bett machen und Hühner füttern noch stundenlang spielen zu gehen und rum zu toben. "Auch wirst du einmal dieses Haus erben, wenn ich einmal nicht mehr bin, Schatz. Dafür hat dein Vater ebenfalls gesorgt, damit du immer ein Heim haben wirst." Mit Worten war der Furier nicht stark und steif wie alle Römer, denen ich begegnet war in den Jahren. "Römer verstehen halt Sachen, die man auf Papier schreiben kann wie Besitz, einfacher. Wenn dir dein Vater etwas kauft oder wohin mitnimmt, dann ist das eine Belohnung in seinen Augen. Und je gescheiter und athletischer du bist, desto mehr wird er sich auch freuen, du wirst sehen. Vertrau deiner Mutter, Liebes." Ich zwinkerte Aidan dabei zu und nahm noch einen Bissen. "Deine Schwester klingt ja biestig und sowas sollte man wirklich niemandem wünschen. Aber du musst trotzdem aufpassen. Sprich niemals über Sachen wie Keltenkrieger oder dergleichen mit Römern. Auch wenn dein Vater dich bestimmt nicht ausliefern würde, so könnte ein Gerücht von einem aufrührerischen Kelten schnell an falsche Ohren gelangen und dir große Schwierigkeiten bereiten. Vergiss nicht, dass deine Brüder bei den Druiden sind nun - was unter Todesstrafe steht. Herumschnüffelnde Römer und Feinde kann sich unsere Familie nicht leisten." Meine Worte waren besorgt, aber ich versuchte Aidan keine Angst einzureden. Trotzdem waren solche Auseinandersetzungen gefährlich und er war alt genug um das zu begreifen. Seine letzten Worte allerdings trafen mich absolut ins Herz und ließen noch das unsichere Kind durchscheinen in dem halbwüchsigen Körper. "Oh Aidan...mit dir ist gar nichts verkehrt. Wie kommst du nur auf so etwas? Nur weil die Römer in ihren Villen komisch sind, bedeutet das ja nicht, dass du auch komisch sein musst. Auch wenn man dich Victor nennt, du Kittel trägst, griechische Philosophen rezitierst oder von deinem Vater in deiner Karriere gefördert wirst - unter all dem bist du immer noch Aidan und die ersten Lieder, die ich dir vorgesungen habe, handelten von meiner Heimat Hibernia und den dunklen Wäldern, mächtigen Hügeln und klaren Quellen Britannias. Dieser Kern wird niemals verschwinden, auch wenn sich die Äußerlichkeiten verändern oder du dich mit deinem Vater gut stellst und eine Weile unter den Römern lebst." RE: Garten - Tiberius Furius Victor - 10-01-2026 So sehr die letzten Monate ihn angestrengt hatten, so brachten ihn die Worte seiner Mutter zum Nachdenken. Es stimmte schon, er war kein Sklave wie die anderen Kinder im Haus, außer Carus und Saturnina natürlich. Es stimmte, dass sein Vater ihm viele Dinge kaufte. Mehr, als er eigentlich brauchte. Also schien er ihn ja lieb zu haben. "Es ist nur... manchmal schaut er mich so komisch an. Als würde er lieber jemand anderen haben", murmelte er leise und wusste nicht einmal, ob dies die Worte waren, die er gebrauchen wollte. Am ehesten fiel ihm ein, dass er vielleicht ihn und Carus vertauschen wollte, es aber nicht konnte. Aber es klang dumm, es auszusprechen, also ließ er es. "Tut mir leid. Ich... werde vorsichtiger sein. Ich war nur so wütend, weißt du? Immerzu stiftet sie Unruhe und kommt dann zu mir, um sich von mir bemitleiden zu lassen. Und dann wird sie giftig wie eine Schlange und macht noch mehr Unruhe. Sie ist gemein zu Carus und mich nennt sie dumm! Ha, ich bin viel schlauer als sie." Aber es stimmte schon, dass er nicht schon verheiratet werden sollte. Er wüsste auch gar nicht, an wen. Er fand die meisten Mädchen die er kannte ziemlich doof und eingebildet. Außer ein paar Mädchen hier im Dorf, die waren in Ordnung. Aber eben 'nicht sein Stand' wie Vater sagen würde. "Naja. Du hast gesagt, alle Römer sind verkehrt. Und ich bin ja halber Römer, ergo muss ich auch verkehrt sein", schlussfolgerte Aidan, der mit einem neu gelernten Wort (ergo) angab. Doch es beruhigte ihn sehr, dass seine Mutter das anders sah. Er erinnerte sich gut an früher. An sein Zuhause, ihre Lieder, ihre Familie. Es war ganz anders als sein Leben heute. Ganz, ganz anders. Doch es war auch nicht einfach. Sie sagte, es war in Ordnung, dass er ein Römer werden würde. Aber seine Brüder wurden Druiden. Und wurde von einem guten Römer nicht erwartet, sowas zu melden? Seinen Vater anlügen oder seine Brüder verraten... Nie im Leben würde er die Zwillinge oder seine Mutter verpfeifen, doch ein gutes Gefühl war es nicht. Weil sie einfach alle nicht miteinander auskommen mochten. "Deine Lieder waren viel schöner als Griechisch-Lernen", seufzte er verträumt. "Aber... ein paar Geschichten von Homer sind ganz interessant... Vater will, dass ich lieber erwachsenes Zeug lese. Aber ich glaube, eigentlich gefallen ihm die Heldensagen auch heimlich." Der Gedanke gefiel ihm. Dass sein alter Herr eigentlich ganz lustig war, aber ein steifes Gesicht machte, damit ihm keiner auf die Schliche kam. In Rom war es immerhin verboten, nicht langweilig zu sein. "Gehst du gleich mit mir spazieren? Wir können Owain und meine Brüder in der Schmiede besuchen?" |