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Ein Spiel zu spielen, während das Brett bereits brennt - Druckversion

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Ein Spiel zu spielen, während das Brett bereits brennt - Claudia Sabina - 07-12-2026

Ich genoss Fabia Tertias Gastfreundschaft und wehrte so gut wie ich konnte ihre Neugier ab.

ich war allein, nicht wirklich allein, natürlich, aber ich hatte keinen Vertrauten.  Anaxarete kümmerte sich eher um die leibliche  Ordnung, und Agamedes, mein guter alter Hauslehrer, war im letzten Winter gestorben. Er hatte mit letzter Kraft meine Tränen weg gewischt: "Aber Kind, hast du denn gar nichts bei mir gelernt?", geflüstert, und ich, Claudia Sabina, hatte geweint, bis ich keine Tränen mehr hatte. Oh, Cloelia hätte mich ausgelacht. Um einen Sklaven weinen! Ich hatte Agamedes schon lange freilassen wollen, doch er hatte keinen Wert darauf gelegt. Er war immer gewesen, wer er war. Ich war mir sicher, dass Agamedes nicht einmal auf dem Kaiserthron seinen Charakter geändert hätte. Friede seiner Asche. 

Nun schrieb ich jedoch an Furia Stella folgenden Brief:


Claudia Sabina ihrer liebsten Furia Stella Gruß.
Setz dich am besten hin, meine Gute und Liebe,
und gieße dir einen Becher deines besten Falerner-Weins ein.
Wenn diese Wachstafel dich erreicht, ist meine zweite Ehe bereits
so gründlich Geschichte
wie die Republik. Ja, du liest richtig. Das Tischtuch zwischen mir und meinem zweiten Gemahl ist zerschnitten, die Mitgift wandert zurück und das Ehebett ist kalt. Doch weine nicht um mein kurzes Glück: Mein geschätzter Vormund hat mir keine Tränen gegönnt, sondern mich sofort auf dem Heiratsmarkt neu taxiert.
Man sagt, aller guten Dinge seien drei, und so werde ich bald wieder den Flammeum anlegen. Mein zukünftiger Gebieter ist kein Geringerer als Servius Cornelius Scipio Salvidienus Orfitus. Du siehst, ich heirate in die allerhöchste, wenn auch gefährlichste Nostalgie Roms ein.
Dein treuer Gabinius wird nun zweifellos den Kopf schütteln. Ich ahne, dass er nicht viel von mir hält.
Richte ihm dennoch meine wärmsten Grüße aus und versichere ihm, dass das Leben als Schachfigur ungemein spannend ist.
Doch nun zum wichtigsten Punkt, der mein Herz trotz allem erwärmt: Mein ehrwürdiger Scipio Orfitus - er hat mir geschrieben -  zeigt eine ganz unerwartete, fast schon rührende Großmut. Er verlangt ausdrücklich danach, meinen Sohn – deinen kleinen Pflegling – in seinem Haus willkommen zu heißen.
Ich werde mein Kind also bald aus deiner behüteten, idyllischen Festung abholen müssen. Bereite ihn darauf vor, die ländliche Ruhe gegen das Vipernnest Roms einzutauschen. Habt ihr die griechische Amme noch? Es tut Cato Minor vielleicht gut, wenn er zu Anfang wenigstens ein vertrautes Gesicht um sich hat. Meines kennt er ja nicht.
ich bete zu Isis um Schutz für dich und dein Haus. Bis bald

[Bild: Claudia-(1)-(1).png]