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Saturnilla ließ ihn ein. Saturninus schloss die schwere Holztür hinter sich und sperrte die neblige Nacht von Iscalis aus. Hier drinnen, in der geheizten Wohnung, roch es nicht nach Kälte und Regen, sondern nach Essen und Wärme und etwas noch Feinerem wie Sommerblumen. Er zog seinen Mantel aus und ließ ihn zu Boden fallen (er hatte vergessen, dass es hier keine Sklavenhände gab, die hinter ihm herräumten)
Kaum hatte er den Flur betreten, stürmte ihm auch schon dreifaches helle Lachen entgegen und die Kinder riefen ihn Papa.
"Salve, meine fleißige Saturnilla. Was malst du denn Schönes?“, erwiderte er warm und legte der Ältesten sanft eine Hand auf die Schulter. Sofort wandte er sich mit einem strahlenden Lächeln der jüngeren Schwester zu:
"Und Salve, meine süße Tiberiella!“ Er strich ihr zärtlich über die Wange, ehe er den kleinen Furianus Saturninus geschickt auffing.Der Junge war ihm regelrecht in die Arme geflogen. Saturninus hob seinen quirligen Sohn in die Luft, wirbelte ihn einmal im Kreis herum und drückte ihn fest an sich:
"Na, mein kleiner Rennfahrer, hast du das Haus heute wieder in eine Arena verwandelt?“ Er setzte den Jungen ab und hockte sich tief auf den Boden. Hier gab es keine patrizische Würde und keine gesellschaftlichen Erwartungen. Mit Nivis Kindern durfte er spielen, albern sein und die unbeschwerte Zärtlichkeit genießen. Siofra gab er nur ein Kopfnicken, sie war eine Angestellte von Nivis, und passte oft auf die Kinder auf; Saturninus vertraute darauf, dass sie
diskret war und nicht tratschte.
"Ich habe euch etwas von den Händlern am Forum mitgebracht“, sagte Saturninus mit einem verschmitzten Lächeln und öffnete seinen Reisebeutel. Für Tiberiella zog er eine farbenfrohe Tonrassel hervor, die sofort ein helles Klingen von sich gab, als das Mädchen sie voller Faszination schüttelte. Saturnilla überreichte er eine kunstvoll geschnitzte Holzpuppe, deren fein gearbeitete Züge die Augen der Ältesten vor Staunen groß werden ließen. Furianus Saturninus drückte er schließlich einen kleinen, hölzernen Spielzeugrennwagen in die Hand, den der Junge sofort mit lautem Imitieren von Hufgeklapper über die Bodenfliesen sausen ließ. Saturninus lachte herzlich, strich Saturnina noch einmal über das weiche Haar und genoss den Moment.
Erst als er sich wieder aufrichtete, wanderte sein Blick tiefer in den Raum, wo Furiana Nivis stand. Sie kam gerade aus dem Bad, gekleidet wie eine römische Dame und das kupferfarbene Haar hochgesreckt, noch immer umgeben vom sanften Duft des warmen, parfümierten Wassers. Saturninus trat mit großen Schritten auf sie zu.
"Nivis“, hauchte er, schloss sie fest in seine Arme und drückte einen tiefen, sehnsuchtsvollen Kuss auf ihre Lippen, und dann zu den Kindern hin:
"Sieht eure Mama nicht wunderschön aus? Wie ein Törtchen, zum Anbeißen?" Die Kinder lachten und nickten.
In Saturninus Umarmung lag all die tiefe Dankbarkeit für die Jahre, in denen sie seine Einsamkeit ohne Serena vertrieben hatte.
Doch als er sich leicht von ihr löste, um ihr in die Augen zu sehen, glitt seine Hand unwillkürlich zu seinem nun leeren Beutel.. Er hatte an jedes einzelne der drei Kinder gedacht. Er hatte die Puppe, die Rassel und den Rennwagen mit Bedacht ausgewählt. Doch für die Frau, die ihm all dieses heimliche Glück schenkte, hatte er in der Eile des Aufbruchs absolut nichts eingepackt. Ärger über seine eigene Vergesslichkeit staute sich in seiner Brust an:
"Ich habe auf dem Markt in Isalis jeden Stand dreimal umgedreht, um Saturnillas Puppe zu finden und Tiberiellas Rassel. - Wenn du sie auf den Kopf stellst, Tiberiella, kommt Gezwitscher heraus wie bei einem Vogel - Aber ich habe vor lauter Eile nichts für dich ausgesucht, meine Nivis. Kein Tuch, kein Schmuckstück, nichts"
Er schüttelte den Kopf über sich selbst und fügte er mit einem schwachen, selbstironischen Lächeln hinzu
"Ich schätze, ich werde alt und vergesslich. Wenn ich nun also beginne, die ersten grauen Strähnen an meinen Schläfen zu entdecken... ich hoffe, du hast für den Greis dann auch ab und zu eine Schale mit dem Eintopf, der so köstlich riecht" Er schmunzelte matt, doch der heftige Ärger über seine Vergesslichkeit lag immer noch wie ein Schatten in seinem Blick.