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Contubernium Felicis, dritte Centurie, Cohors II
03-07-2026, 07:14 PM,
Beitrag #1
Contubernium Felicis, dritte Centurie, Cohors II
   

Das Contubernium, die Mannschaftsstube, war die kleinste Einheit der Legion und umfasste in der Regel acht Männer.
Der Stubenälteste, der Decanus, war ein erfahrener Soldat, der für Ordnung in seinem Contubernium zu sorgen hatte. Außer ihm gab es noch vier Legionäre und drei Tirones, Rekruten, die von den Älteren geschult werden sollten. Die Schulung sah oft so aus, dass den Neulingen die unangenehmen Arbeiten aufs Auge gedrückt wurden, Latrinendienst oder Getreide mit der großen Handmühle für alle mahlen, denn die Stuben versorgten sich selber.
Auf der anderen Seite aber waren die Soldaten Beschützer "ihrer" Frischlinge und zeigten ihnen die Kniffe, die das Lagerleben erleichterten. 

Der Decanus hieß Lucius Valerius Felix. (NPC) Er hatte seine fünfundzwanzig Jahre Dienstzeit bald um und ließ sich nicht schnell aus der Ruhe bringen. Nach ihm hieß die Stube " Contubernium Felicis"
Die erfahrenen Soldaten hießenM. Ulpius Bellicus, Claudius Catus und Iulius Vindex.( NPC) Beider Familien stammten aus Gallien und hatten erst vor einer Generation das römische Bürgerrecht bekommen. Der jüngere Legionär, der noch nicht viel Erfahrung hatte und dazu neigte, sich aufzublasen  war  Iuventius Fronto. (NPC) 


Die Unterkunft der " Stube des Felix" befand sich in  einer steinernen Kaserne und  bestand aus zwei Räumen: Hinten lag der Papilio (Schlafraum). Der Platz war begrenzt, weshalb es vier Stockbetten aus Holz gab. Sie waren mit Gurtgeflechten bespannt. 
Als Matratzen dienten mit Heu gefüllte Säcke. Die Soldaten schliefen in ihre Wollmäntel (Sagum) eingehüllt oder nutzten extra Wolldecken. Da immer zwei Männer einer Einheit zur Wache eingeteilt waren, schliefen selten alle acht gleichzeitig im Raum.
Der Vorraum war das[b] Armamentarium: Er wurde für die Lagerung von Waffen, Rüstung und Ausrüstung genutzt. Helme, Schilde (Scuta) und Kettenhemden (Lorica Hamata) hingen an Wandhaken beziehungsweise lagen auf Holzregalen im Vorraum. Die persönliche Habe wurde in kleinen Holztruhen verstaut.

In einer römischen Legion gab es keine zentrale Truppenküche (Kantine); die Soldaten waren Selbstversorger. Direkt vor der Tür befand sich eine kleine Feuerstelle aus Ziegeln.  Dort bereiteten die Männer ihren Getreidebrei (Puls), Brot und Fladenbrote oder Eintöpfe zu. Das Contubernium des Felix besaß eine eigene Handmühle Mola manuaria aus Basalt und eine bronzene Pfanne mit Deckel. Die Handmühle war schwer und wurde im Vorraum aufbewahrt. Die Soldaten mussten ihr Getreide täglich selbst zu Mehl mahlen, um Brot oder Fladen zu backen.

Die Räume selbst waren rauchig und dunkel, da es nur kleine Fenster und Öllampen gab. Ein schmaler Abwasserkanal verlief direkt vor der Kasernenreihe unter den Kolonnaden.
Dennoch: Die drei neuen Rekruten  schliefen gerade wie Steine...Der Dienst war noch ungewohnt und ein Knochenjob...Ihren militärischen Ausbilder kannten sie noch nicht. Er hieß Bellator, und Iuventius hatte ihnen mit genüsslichem Lächeln gesagt, dass er ein ganz harter Hund wäre....Als Optio hatte er seine privaten Räume am Ende des Ganges. 
Die Namen der jungen Römer lauteten
Aulus Caecilius Verus
Marcus Aelius Varro
Lucius  Asinius Nero
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03-08-2026, 07:12 PM,
Beitrag #2
RE: Contubernium Felicis, dritte Centurie, Cohors II
Nero hatte zusammen mit Verus und Varro den ganzen Tag die Handmühle gedreht. Dann hatte er Brot gebacken - sein Vater war Bäcker, daher dachten alle, dass ihm Backen  im Blut läge. Felix, der alte Hase und Decanus, hatte die Tirones von Morgens bis Abends arbeiten lassen. Nero war ein bisschen enttäuscht. Korn mahlen konnte er auch zu Hause. Er hatte gehofft, schon heute mal einen Gladius in die Hand zu bekommen. Aber nein, Brot backen war angesagt. Den Kameraden hatte es geschmeckt, zumindest hatte keiner gemeckert. 
Nun war Nero müde. Die kratzige Decke, das Schnarchen und Räuspern der Männer, das hätte ihn nicht gestört. Doch wie es so ging, konnte er nicht gleich einschlafen.
Er schaute sich zu seinen Kameraden um, die er im Dunkel nicht so recht sehen konnte. Es waren Jungen wie er, 16, 17 Jahre alt. Varro hatte etwas Heiteres, was Nero gut leiden konnte, Verus war hübschwie ein Mädel,doch genauso stark wie die anderen.Die Legion nahm nicht jeden. Der Medicus hatte sie alle auf Schwachpunkte untersucht ( Ihm, Nero, hatte er einen Stubser in den Bauch gegeben. Zu viele Törtchen von der Frau Mama! Ein Soldat muss stabil sein, aber eine Wampe sollte er nicht haben. Das erzählte Nero aber keinem. Schon gar nicht seinem Bruder, der einem anderen Contubernium angehörte. Der würde ihn damit aufziehen)
Bellicus, Cato und Vindex schnarchten um die Wette. 
Nero richtete sich halb auf: " Varro, Verus, seid ihr wach?", flüsterte er in die Dunkelheit.
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03-08-2026, 08:43 PM,
Beitrag #3
RE: Contubernium Felicis, dritte Centurie, Cohors II
Seitdem der Brief zur Musterung bei seinem Vater eingetrudelt war, hatte Verus die Tage regelrecht gezählt. War er stolz darauf, einberufen zu werden? Ja, das war er. Er wollte den Namen seiner Gens Ehre erweisen.  Auch wenn die Untersuchung durch den Medicus in Verus Augen sichtlich entwürdigend war, hatte er doch seine Zähne zusammen gebissen. Und wurde schließlich für tauglich befunden. Zusammen mit zwei anderen jungen Rekruten bezog er ein gemeinsames Schlafabteil. Wenn man es so nennen mochte. Die anderen beiden Jungen waren einmal Lucius Asinius Nero und einmal Marcus Aelius Varro. Beide ungefähr in seinem Alter und Verus hoffte, dass man mit den beiden auskommen konnte. Nichts war nämlich schlimmer, als mit Jungen das Zimmer teilen zu müssen, mit denen man nicht auskam. Nicht auszudenken. Da war es nicht verwunderlich, dass Verus mit gemischten Gefühlen und gar schlotternden Knien die Kammer bezog. Zumindest waren die Strohsäcke frisch und stanken nicht. Oder waren mit Ungeziefer durchsetzt. Kaum hatte Verus seine wenigen Habseligkeiten in seiner Truhe verstaut, hieß es auch schon Schlafenszeit. Morgen mussten sie alle frisch und ausgeruht sein. Auch wenn sich Verus gerne mit den anderen beiden unterhalten hätte. So schlief er doch augenblicklich ein, kaum dass sein Kopf das Kissen berührt hatte. Am nächsten Morgen krochen sie gemeinsam bereits beim ersten Hahnenschrei, so sagte man doch, aus den Federn. Haha. Wobei, wohl eher aus den Strohhalmen. Doch wenn sie nun gedacht hatte, am ersten Tag ihrer Ausbildung zu einem römischen Soldaten gleich das Gladius schwingen zu dürfen, so hatten sich die neuen Tirones getäuscht. Es ging zum Brot mahlen. Ja richtig. Zum Brot mahlen. Und während Verus neugierig darauf war. So wirkte Nero enttäuscht. Was man an seinem Gesicht auch deutlich anmerkte. Der Mühlstein wurde gewetzt. Die Handmühle wurde gedreht. Und Verus verlor sich in Tagträumereien. Um sich nach getaner Arbeit müde auf seinen Strohsack zu legen.  So dass er trotz des lauten Schnarchens der anderen alsbald einschlief. Genauer gesagt am Rande des Wachseins dämmerte, als die Stimme des Lockenkopfs an sein Gehör drang. Und Verus sich augenblicklich, wenngleich verschlafen aufrichtete. “Was ist los Nero? Kannst du nicht schlafen?“ Wisperte der Rothaarige in Richtung des anderen.
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03-08-2026, 09:10 PM,
Beitrag #4
RE: Contubernium Felicis, dritte Centurie, Cohors II
Der mürrische Marcus Aelius Varro hatte geschlummert wie ein Stein. Was für ein Tag es gewesen war. Er hatte jetzt einen völlig neuen Respekt für Bäcker gefunden, denn das stundenlange Mahlen ging verflucht nochmal in die Arme. So hatte er sich das hier nicht vorgestellt. Doch die älteren Legionäre, die keine Rekruten mehr waren, hatten es angeordnet. Und so hatten sie sich der langen und stumpfsinnigen Arbeit gewidmet, nach welcher sie auf ihre Lager gefallen waren wie Kartoffelsäcke. Er begann schon, daran zu zweifeln, ob er hier wirklich richtig war. Doch nun war er da, viele Kilometer weit weg von Zuhause, mitten in dieser Einöde. Zuhause gab es nichts für ihn, daher musste er nun mit dem auskommen, was er hatte. Und das war... nicht viel. 
Die Kammer teilte er sich mit zwei anderen Jungen: Lucius Asinius Nero, der den ganzen Tag davon erzählt hatte, dass seine Eltern Bäcker waren, und Aulus Caecilius Verus, der ein Gesicht wie ein Mädchen und einen Stock im Arsch hatte. Fast süß, eigentlich. Noch konnte er mit beiden recht wenig anfangen. Natürlich war sein eigener Vater Verwalter der Getreidespeicher in seiner Heimat gewesen, doch verband ihn daher mit Nero trotzdem nichts. Leider würden sie einander irgendwann ihre Leben anvertrauen müssen, also wollte er sich gut stellen mit den Jungs. Vielleicht half es, hier mal guten Wein reinzubringen, wenn er dazu kam. Er hatte auf dem Weg durch die Stadt die Gelegenheit genutzt, und sich bei einigen ortsansässigen Händlern bekannt gemacht, sie nach ihrem Bestand gefragt, solche Sachen. Er hatte nämlich nicht vor, nur stumpf zu exerzieren. Er wollte hier etwas erreichen und allen zeigen, was er konnte. 
Für jetzt jedoch... war er müde. Todmüde...
Aber natürlich mussten diese beiden Ochsen jetzt noch tratschen. Varro, der davon aufwachte, knurrte mürrisch. 
"Was?", schnappte er raunend, "Wenn ihr reden wollt, geht raus. Morgen wird's garantiert genauso anstrengend..."
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03-08-2026, 10:26 PM,
Beitrag #5
RE: Contubernium Felicis, dritte Centurie, Cohors II
Die Nacht lag schwer über dem Kastell. Feiner Regen hatte eingesetzt und strich in schrägen Fäden über die Ziegeldächer der Kasernen. Der Wind trug den Geruch von nassem Leder, kaltem Rauch und feuchter Erde durch die Kolonnaden. In den steinernen Gängen brannten nur wenige Öllampen, deren schwaches Licht sich an den Wänden verlor und die Schatten der Säulen lang über den Boden zog. Am Ende des Ganges war Lucius Aurelius Bellator bereits wach. Der Schlaf des Optio war flach geworden über die Jahre. Zu viele Nächte hatte er in Kastellen wie diesem verbracht, zu viele Alarmrufe gehört, als dass sein Körper sich noch ganz der Müdigkeit überlassen hätte. Noch bevor der erste Ton der Tuba die Nacht durchschnitt, war er schon halb wach gewesen. Als das Horn schließlich erklang, setzte er sich sofort auf. Der langgezogene Ton rollte über den Hof, hart und klar. Ein zweiter folgte kurz darauf. Bellator brauchte keinen dritten, um zu wissen, dass das Lager nun erwachte.

Er griff nach seinem Gürtel, der ordentlich neben der Truhe lag, und zog ihn mit routinierter Bewegung fest. Der Helm wartete griffbereit, ebenso der vitis, der Rebstockstab des Optio. Das Holz war glatt von Jahren des Gebrauchs. Bellator nahm ihn auf, als wäre es ein vertrauter Teil seines eigenen Körpers. Als er die Tür öffnete, war der Gang bereits erfüllt von Bewegung. Sandalen schlugen auf Stein, Türen öffneten sich, Metall klirrte. Legionäre tauchten aus den Mannschaftsstuben auf, manche noch halb im Schlaf, doch ihre Hände fanden instinktiv den Weg zu Helm, Schild und Gürtel. Die Gewohnheit des Dienstes arbeitete schneller als der Verstand. Bellator trat in den Gang und ging los. Er bewegte sich ohne Hast. Ein Mann, der rannte, zeigte Unruhe. Ein Ausbilder durfte sich diese nicht erlauben. Sein Schritt war ruhig, gleichmäßig, während er an den Türen der Contubernien vorbeiging. Aus manchen Stuben kamen bereits Männer heraus, vollständig gerüstet, ihre Schilde unter dem Arm. In anderen herrschte noch das hastige Durcheinander der ersten Momente nach dem Alarm.

Als Bellator die Tür der Stube erreichte, hörte er die vertrauten Geräusche aus dem Inneren. Das Knarren der hölzernen Bettgestelle, das Rascheln von Wollmänteln, das dumpfe Klirren von Metall, wenn Helme von Haken genommen wurden. Er trat ein. Das Armamentarium lag schwach im Licht einer kleinen Lampe. An den Wänden hingen die Scuta, darüber Helme und Kettenhemden. In einer Ecke stand die schwere Handmühle aus Basalt, unbeweglich und dunkel. Im Schlafraum dahinter waren die erfahrenen Männer der Stube bereits in Bewegung. Der Decanus, war schon auf den Beinen. Seine Bewegungen waren ruhig und sicher, wie es bei einem Mann mit fünfundzwanzig Jahren Dienstzeit zu erwarten war. Nichts an ihm verriet Eile. Seine Hände fanden den Gürtel, den Helm, das Schild, als folgte er einem eingeübten Ablauf, der selbst im Halbschlaf funktionierte. Bellicus war ebenfalls aus dem Bett gekommen, sein breiter Rücken im fahlen Licht der Lampe zu erkennen. Er griff nach seinem Schild und legte den Helm an, während Catus bereits dabei war, das Kettenhemd von einem Wandhaken zu nehmen. Iulius Vindex hatte sein Scutum schon in der Hand und zog den Riemen über den Unterarm. Seine Bewegungen waren präzise, ohne überflüssige Gesten. Jahre des Dienstes hatten die Abläufe in Muskeln und Knochen eingeschrieben. Auch Fronto war wach, wenn auch mit einer Spur zu viel Eifer in seinen Bewegungen. Der jüngere Legionär schloss hastig seinen Gürtel und griff nach seinem Helm, bemüht, schneller zu wirken als die anderen. Bellator blieb einen Moment im Türrahmen stehen. Seine Augen glitten durch den Raum, ruhig und aufmerksam. Er beobachtete, wie Felix seine Männer mit wenigen knappen Gesten ordnete. Wie Bellicus und Catus ihre Ausrüstung aufnahmen, ohne ein Wort zu verschwenden. Wie Vindex bereits bereitstand, während Fronto noch versuchte, seine Riemen festzuziehen. Der Vitis berührte leicht den Rand eines Schildes an der Wand. Ein trockenes Klopfen erfüllte den Raum. Mehr war nicht nötig. Die Legionäre verstanden sofort. Die Bewegungen wurden schneller, die letzten Handgriffe erledigt. Schilde wurden von den Haken genommen, Helme aufgesetzt, Gürtel festgezogen.

Bellator trat einen Schritt in den Raum, sagte jedoch nichts. Er hatte lange genug Männer ausgebildet, um zu wissen, dass Worte in solchen Momenten selten notwendig waren. Disziplin zeigte sich nicht im Lärm, sondern in der Geschwindigkeit, mit der Ordnung entstand. Sein Blick blieb kurz auf jedem der Männer liegen. Felix, ruhig wie immer. Bellicus, zuverlässig. Catus und Vindex, bereits bereit. Fronto, bemüht, den Anschluss zu halten. Er wandte sich schließlich ab und trat wieder hinaus in den Gang. Draußen sammelten sich bereits die ersten Formationen im Hof. Fackeln warfen flackerndes Licht auf Schilde und Helme, während die Männer der Legion ihre Plätze fanden. Regen fiel jetzt dichter, doch niemand beachtete ihn. Bellator blieb unter der Kolonnade stehen und blickte über den Platz. Hinter ihm hörte er die Männer aus der Stube treten. Der Alarm hatte das Lager geweckt.

Jetzt wurde aus dem ruhigen Schlaf eiserne Disziplin. Und Ordnung. Doch etwas stimmte nicht am Gesamtbild. Bellator ließ den Blick langsam weiter durch den Raum wandern. Der hintere Teil der Stube war noch nicht in Bewegung geraten. Die drei Tirones. War ja klar. Hatte der Alarm den Raum nur halb erreicht? So schien es. Der dicke Bäckerjunge hatte einen Körper, der weich an den falschen Stellen war. Die Bewegungen schienen schwer und langsam, als würde sein Körper noch immer glauben, dass die Nacht ihm gehörte. Sein Kollege war ein zittriger Rothaariger mit weibischen Gesichtszügen. Die Augen waren noch voller Schlaf und wachsender Furcht. Selbst jetzt, in der Hast, lag etwas Zögerliches in jeder Bewegung. Und dann war da noch dieser Marcus. Sein Gesicht blieb verschlossen. In seinen Augen lag dieser Ausdruck, den Bellator schon mehrfach bei ihm gesehen hatte. Der Blick eines Mannes, der glaubte, seine Zukunft liege nicht im Schildwall, sondern irgendwo darüber. Ehrgeiz, gespeist von Geschichten über Kontakte, über Handel, über Möglichkeiten jenseits des einfachen Soldatenlebens. Bellator beobachtete sie, ohne sich zu rühren. Drei Körper, die sich nun endlich aus den Decken schälen sollten. Drei Jungen, die erst jetzt begriffen, dass der Alarm keine Übung ihrer Träume war. Zu spät. Viel zu spät. Eindeutig sehr viel zu spät. So nicht. Der Vitis hob sich langsam in seiner Hand. Das Holz schlug hart gegen das Gestell des nächstgelegenen Bettes. Der Klang fuhr durch den Raum wie ein Peitschenhieb. Der Optio trat einen Schritt näher. Sein Blick ruhte nun offen auf den drei Jungen. Er sagte nichts. Der Vitis hob sich erneut und schlug diesmal gegen den Boden zwischen den Betten. Das dumpfe Geräusch hallte im Raum wider, begleitet vom leisen Klirren eines Helmes, der hastig vom Haken gerissen wurde. Seine Augen verengten sich leicht. Die erfahrenen Legionäre waren längst bereit und die drei Rekruten kämpften noch immer mit der Trägheit. Der Optio betrachtete sie einen langen Moment. Mit Zorn? Nein. Mit Urteil.

Bellator trat näher an die Betten heran. Sein Schatten fiel über die drei Tirones, während das schwache Lampenlicht hinter ihm stand. Der Vitis ruhte wieder locker in seiner Hand. Die Stille dauerte nur einen Atemzug. Dann wandte Bellator sich langsam wieder zur Tür. Die Legionäre des Contuberniums standen bereit. Die Rekruten nicht. Der Optio verließ die Stube ohne Eile und trat zurück in den Gang. Die Männer würden ihm gleich folgen müssen, hinaus in den Regen, hinaus auf den Hof. Doch der Blick, den er ihnen hinterlassen hatte, könnte länger wirken als jeder Schlag des Rebstockstabs. Bellator wusste bereits, was der kommende Tag bringen würde. Diese drei Männer würden lernen müssen, was Disziplin bedeutete. Oder dieses Land würde sie verschlingen.
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03-09-2026, 07:10 PM,
Beitrag #6
RE: Contubernium Felicis, dritte Centurie, Cohors II
Nero hatte unter der britannischen Kälte nie gelitten. Die Backstube war stets warm, und wenn er da saß und spielte, kam so oft von oben ein Keks oder ein Honigkringel und füllte sein Bäuchlein. Es war eine wohlig, warme Kindheitserinnerung, die in seinen Traum schwappte....
Kaum hatte ihn Verus gefragt, ob er nicht schlafen konnte, hatte Varro sie beide ziemlich angeraunzt, dass sie zum Quatschen rausgehen sollten.
"Es regnet doch" hatte Nero erwidert. Das tat es tatsächlich, der Regen gluckerte in der Abflussrinne.
Er hatte also geschwiegen, und war dann doch eingeschlafen. Da kam der Traum mit der Backstube.
Als Nero aufwachte, merkte er, dass er seine Wolldecke durchgeschwitzt hatte.Er griff sich an die Stirn, er fühlte sich aber nicht fiebrig an. Aber die Luft war zum Schneiden. Latrine oder ein Schluck Wasser? Oder beides? Nero schlief erneut.
Als er zum zweiten Mal erwachte,war die Finsternis grauem Dämmerlicht gewichen. Es musste vor Sonnenaufgang sein. Doch es war nicht mehr still; der Raum schien erfüllt von heftigem Leben, Klirren, Legionäre, die ihre Rüstungen anlegten, kein überflüssiger Handgriff.
War Alarm? Wie Alarm? Griffen die Barbaren an?
Ein Schlag traf sein Bett. Nero erkannte einen Stock, einen Mann im Gegenlicht, mit den Ranganzeichen eines Optios. Und er lag hier rum. 
Nero schälte sich hastig aus der Decke,bückte sich, um seine Soldatenstiefel zu holen.Im Dämmerlicht waren sie furchtbar schwer zu schnüren. Und sein Helm und Rüstung (Schwert hatten sie alle nicht bekommen) Sie befanden sich im Armamentarium. Der Decanus hatte ihnen eingeschärft, sich genau zu merken, wo ihr Zeug hing. Aber das war am hellen Tag gewesen. Jetzt in der Dämmerung fand er es nicht gleich. Dann ja, aber alles dauerte viel zu lange. Trotz der Kälte war Lucius Asinius Nero dann schweißgebadet, bis er alles zusammen hatte.
Der Optio war schon wieder draußen. Die alten Hasen vom Contubernium auch. Hoffentlich fand er sie. 
Es regnete, und Wolken jagten tief über das Lager. Nero war da, der Helm etwas schief auf dem Lockenkopf, den Kinngurt nicht richtig zugezogen. Der Optio, das war bestimmt Bellator. 
Nero stellte sich in die Reihe. Er bemühte sich um Haltung, zog seinen Bauch ein. Er schwor sich, dass das nie wieder passieren sollte, dass er einfach weiterschlief, wenn Alarm war. Der Optio hatte den Vitus nicht benutzt. Aber sein Blick, sein Blick hatte alles gesagt, als sei sein Urteil über Lucius Asinius Nero schon gesprochen und als sei es nicht zu seinen Gunsten ausgefallen.
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03-10-2026, 08:36 PM,
Beitrag #7
RE: Contubernium Felicis, dritte Centurie, Cohors II
Irgendwie hatte Verus den Eindruck, dass er sich zu sehr um seine Mitkameraden Sorgen machte. Seine eigenen Sorgen stellte er dabei hinten an. Die Sorgen seiner Kameraden ging ihm dabei über alles. Und so war es nicht verwunderlich, dass er blinzelnd seine Augen öffnete, als er eine Bewegung wahrnahm und den Asinius erkennen konnte. Augenblicklich richtete sich der Rotschopf auf und heftete seinen, wenngleich verschlafenen Blick auf den ungefähr Gleichaltrigen. Um diesen zu fragen, ob er nicht schlafen konnte. Dabei hielt Verus seine Stimme gesenkt. Damit er den anderen im Bunde nicht auch noch weckte. Sowie die übrigen Soldaten, deren lautes Schnarchen jedoch verkündete, dass diese nicht so leicht aus ihrem Schlaf zu reißen waren. Oder vielleicht doch und sie taten nur so als würden sie schlafen? Ein vorsichtiger Blick in Richtung der anderen und Verus reckte sich sogar etwas, um einen besseren Blick erhaschen zu können. Hm. Nein, lieber nicht zu offensichtlich starren. Und so wandte sich Verus Kopf abrupt zur Seite. Fort von den Älteren. Stattdessen konzentrierte er sich kurz auf den Asinius. Um im nächsten Moment bei der leisen Stimme des Aelius zusammen zu zucken. Waren sie wirklich so laut? Nein, sie hatten doch geflüstert, oder? “Entschuldigung.“ Murmelte Verus mit leiser Stimme. Warf den beiden Mitkameraden einen entschuldigenden Blick zu. Und schlüpfte wieder unter die Decke. Um wenigstens noch etwas Restwärme zu erhaschen. Denn bald war die Nacht rum, dies erkannte er an dem helleren Schimmer im inneren der Baracke. Aber wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf. Nur ein paar. Es mussten auch nicht viel sein. Mit diesem Gedanken im Kopf fielen Verus alsbald seine Augen zu und er schlief ein. Traumlos mutete sein Schlaf an. Zumindest bis zu dem Moment, als ohrenbetäubender Krach in seinen Traum drang. Und dazu noch herrische Stimmen. So dass Verus augenblicklich aufschreckte. Blinzelnd versuchte sich zu orientieren und sich einmal durch seine roten Locken strich. Um diese wenigstens halbwegs zu glätten. Um nicht ganz so weibisch zu wirken, wie es bereits hinter vorgehaltener Hand gewispert wurde. Sehr gemein. Kontra hatte Verus jedoch auch noch nicht gegeben. Auch wenn er sich dieses Geschwätz eigentlich gar nicht bieten lassen sollte. Doch dazu würde er sich später weitere Gedanken machen. Jetzt erst einmal zerrte er die Decke von seinem Körper und angelte verschlafen und beinahe noch blind nach seinen Stiefeln. Irgendwo hier hatte er sie doch ausgezogen. Wo also waren sie abgeblieben? Nach einigen tastenden Versuchen später hatte er seine Stiefel endlich gefunden und schlüpfte hinein. Seinen Helm griff er beim vorbeilaufen und stülpte sich diesen einfach über seine roten Locken. Während ihm noch immer der Lärm und der Schlag des Rebstockstabs in den Ohren nachhallte und er den Eindruck hatte sein Trommelfell müsste platzen. Doch schließlich reihte er sich neben den anderen verschlafenen Tirones ein. Und versuchte blinzelnd seine Augen offen zu halten.
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03-13-2026, 02:30 AM,
Beitrag #8
RE: Contubernium Felicis, dritte Centurie, Cohors II
Götter, wie müde er war. Seine Arme und Beine fühlten sich an wie Blei. Er wollte bloß noch einmal die Augen zumachen. Nur ganz kurz...
Und dann...
...stapfte jemand in den Raum. Varro wusste es besser, als seine älteren Kameraden anzuraunzen. Und das war ein Glück. Denn dort stand kein einfacher Legionär, sondern der Optio Aurelius Bellator höchstselbst. Dieser wirkte überhaupt nicht erfreut. Varro landete hastig auf dem Boden, kaum dass der Vorgesetzte die Stube verlassen hatte. Der Blick hatte einen ja fast zu Eis erstarren lassen können! Verflixt!
"Müssen... Wir müssen raus...", murmelte er, noch halb verschlafen und stapfte hinter den anderen her.

Varros Ausrüstung saß perfekt. Seine Waffen, der Helm und die Rüstung waren exzellent gepflegt und saßen genau dort, wo sie sollten. Wenn er auf eines achtete, dann auf Ordnung. Immerhin rettete einem gepflegte Ausrüstung das Leben. Kaputte konnte es einen kosten.
"Ich hoffe, er hat sich unsere Gesichter nicht gemerkt", flüsterte Varro den beiden Kameraden zu.
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03-28-2026, 09:24 AM,
Beitrag #9
RE: Contubernium Felicis, dritte Centurie, Cohors II
Der Regen hatte den Hof inzwischen in ein dunkles, glänzendes Feld aus Schlamm und Stein verwandelt. Fackeln warfen flackerndes Licht über die Reihen der sich formierenden Männer. Das Geräusch von Wasser auf Metall und Leder mischte sich mit dem dumpfen Rhythmus von Schritten, die ihren Platz fanden. Bellator stand am Rand der sich ordnenden Centurie. Unbeweglich. Der Umhang lag schwer auf seinen Schultern, dunkel vom Regen. Tropfen liefen über den Rand seines Helms und zeichneten feine Linien über sein Gesicht, ohne dass er sie beachtete. Der vitis ruhte ruhig in seiner Hand, doch seine Haltung ließ keinen Zweifel daran, dass jeder Augenblick unter seiner Kontrolle stand. Sein Blick glitt über die Reihen. Er sah die erfahrenen Männer zuerst. Schilde geschlossen, Helme korrekt, Abstände sauber. Die Linie stand, wie sie stehen sollte. Keine Unruhe, kein unnötiges Zögern. Nur das leise Atmen und das gleichmäßige Gewicht der Formation. Dann erreichten seine Augen die Tirones. Sie waren angekommen. Endlich. Zu spät, aber sie waren da.

Der dicke Bäckerjunge fiel ihm sofort auf. Der Helm saß schief, der Kinngurt lose, die Haltung bemüht, aber unsicher. Der Körper angespannt, als versuche er, durch bloßen Willen auszugleichen, was ihm an Übung fehlte. Schweiß mischte sich mit Regen auf seiner Stirn.
Neben ihm der feminine Rothaarige. Die Augen noch halb geschlossen, der Blick unstet, die Bewegungen leicht verzögert. Der Helm hastig aufgesetzt, ohne Sorgfalt, ohne Kontrolle. Seine ganze Erscheinung verriet, dass er noch nicht ganz im Wachzustand angekommen war.
Und dann Marcus. Die Ausrüstung saß. Der Helm korrekt. Die Riemen sauber geschlossen. Die Haltung besser als bei den anderen beiden. Doch Bellator sah, was darunter lag. Nicht Disziplin. Eitelkeit. Der Blick des Optio verharrte einen Moment länger auf ihm. Er hatte die Bewegung der Lippen gesehen. Das leise Sprechen im Regen, kaum hörbar für andere. Für ihn nicht.

Bellator setzte sich in Bewegung. Langsam ging er an der Front der Reihe entlang. Der Schlamm gab unter seinen Schritten kaum nach. Jeder Tritt war sicher, kontrolliert. Der vitis hing locker in seiner Hand, doch die Männer in der Nähe richteten sich unwillkürlich etwas gerader auf, als er an ihnen vorbeiging. Er blieb vor den drei Tirones stehen.
Sein Blick wanderte zuerst zu Nero.
Der vitis hob sich und berührte den Helm des jungen Mannes. Kein Schlag, nur ein kurzer, präziser Stoß, der den Helm in die richtige Position brachte. Der Finger des Optio zog den Kinngurt fest, mit einer knappen, geübten Bewegung. Ein Moment länger blieb sein Blick auf ihm liegen.
Dann wandte er sich dem Rothaarigen zu. Der vitis hob sich erneut und drückte leicht gegen dessen Schildarm, korrigierte die Haltung, brachte ihn einen Schritt weiter in die Linie. Der Druck war nicht hart, aber bestimmt. Der Körper des jungen Mannes reagierte sofort darauf, als hätte er instinktiv verstanden, dass Widerstand keine Option war. Bellator sagte weiterhin nichts.
Dann trat er vor Marcus. Ein kurzer Blick genügte. Der vitis schnellte vor und schlug hart gegen den unteren Rand seines Schildes. Der Klang war scharf, deutlich lauter als zuvor. Der Stoß zwang den Schild einen Fingerbreit nach oben, genau in die Position, in der er sein sollte. Bellator blieb stehen. Sein Blick ruhte fest auf Marcus. Für einen Atemzug war nur das Geräusch des Regens zu hören. Dann wandte er sich ab.

Ein paar Schritte führte er ihn wieder entlang der Reihe, bevor er stehen blieb und sich halb zur Formation drehte. Seine Stimme war ruhig, aber sie trug mühelos über den Platz. Disziplin begann nicht im Kampf. Sie begann im Augenblick des Erwachens. Bellator trat einen Schritt zurück, um die gesamte Reihe zu überblicken. Die Linie stand. Nicht perfekt – aber ausreichend, um zu arbeiten. Sein Blick blieb nicht lange auf den Veteranen. Sie kannten ihre Aufgabe. Ihre Körper hielten die Ordnung, auch ohne dass man sie ständig daran erinnerte. Es waren die Lücken dazwischen, die ihn interessierten. Die kleinen Unregelmäßigkeiten. Die Männer, die noch nicht Teil der Linie waren, sondern sich nur darin befanden. Die Tirones. Bellator hob den vitis leicht an.

Die erste Bewegung kam ohne Vorwarnung. Der Stab schlug gegen den Schild eines Legionärs am Rand der Reihe. Ein trockenes, hartes Geräusch, das durch den Regen schnitt. Der Mann reagierte sofort, hob den Schild ein wenig höher, schloss die Lücke zu seinem Nebenmann. Der Optio setzte sich entlang der Front in Bewegung. Schritt für Schritt prüfte er die Formation. Der vitis war überall. Er berührte Schildränder, drückte Arme nach oben, korrigierte Abstände. Kein Schlag war zufällig. Jede Bewegung hatte Ziel und Maß. Ein zu tiefer Schild wurde angehoben. Ein zu großer Abstand geschlossen. Ein zu lockerer Griff sofort berichtigt.
Als er die Tirones erreichte, änderte sich nichts an seinem Tempo. Nur die Genauigkeit wurde schärfer. Der vitis traf zuerst den Rand von Neros Schild, hob ihn um eine Handbreit an. Der Druck blieb einen Moment bestehen. Der nächste Stoß kam gegen seine Schulter, brachte ihn einen Schritt näher an seinen Nebenmann.
Bellator ging weiter. Beim Rothaarigen war die Korrektur unmittelbarer. Der Schild stand nicht fest genug. Der vitis drückte ihn nach innen, zwang den Arm in eine stabilere Haltung. Ein zweiter, schneller Stoß gegen den unteren Rand ließ erkennen, wie leicht die Linie hier noch zu öffnen war. Der Optio hielt einen Augenblick inne, ohne den Blick von ihm zu nehmen.
Dann ging er weiter. Marcus stand korrekt. Zu korrekt. Der vitis traf seinen Schild mit voller Kraft. Der Schlag hallte über die Reihe. Der Schild gab nach – kaum sichtbar, aber genug. Bellator blieb stehen. Ein zweiter Stoß folgte sofort, diesmal seitlich, gegen die Kante. Der Winkel veränderte sich minimal. Ein Spalt öffnete sich zwischen ihm und seinem Nebenmann. Genug.

Bellator trat einen Schritt zurück und ließ den vitis sinken. Die Männer standen im Regen. Die Linie war nicht mehr so sauber wie zuvor. Genau das war der Zweck. Er bewegte sich seitlich, betrachtete die Formation nun aus einem anderen Winkel. Die Fackeln warfen ihr Licht quer über die Schilde und machten jede Unregelmäßigkeit sichtbar. Bellator wartete. Der Regen lief ihm über das Gesicht, tropfte vom Rand seines Helms, sammelte sich am Ende seines Umhangs. Er griff nicht sofort ein. Zeit war Teil der Übung. Ein Atemzug. Noch einer. Dann setzte er sich wieder in Bewegung. Der vitis hob sich erneut. Diesmal schneller. Ein Schlag gegen Neros Schild, hart genug, um die Spannung zurückzuzwingen. Ein Stoß gegen den Rothaarigen, der ihn wieder in die Linie brachte, bevor sich eine Lücke öffnete. Ein kurzer, präziser Treffer gegen Marcus, der ihm zeigte, dass auch seine Haltung nicht unangreifbar war.

Bellator trat zurück. Sein Blick ruhte auf der gesamten Centurie. Der Regen fiel weiter. Bellator senkte den vitis. Die Übung war noch nicht beendet. Sie hatte gerade erst begonnen.
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03-28-2026, 05:59 PM,
Beitrag #10
RE: Contubernium Felicis, dritte Centurie, Cohors II
Optio Bellator stand da wie eine der Statuen auf dem Forum. Aber ihm schien nichts und niemand zu entgehen.  

Er setzte sich in Bewegung und schritt die Reihe ab. Der vitis hing in seiner Hand, Vor den drei Tirones blieb er stehen. Nero war ihm am nächsten. Er schaute geradeaus und bemühte sich zumindest um so etwas wie eine Haltung. Zumindest so gut wie der Verus. Aber der einzige, der sich einigermaßen gescheit anstellte, war wohl Varro.

Der Optio benutzte seinen Stock, um den etwas schiefen Helm in die richtige Position zu bringen. Nicht böse, akkurat. Dann zog er Nero den Kinngurt an, so dass der das Gefühl hatte, das Leder würde ihm in den Kinnspeck schneiden.

Sein Bruder Rufus hätte sich totgelacht: Was willst du denn? Der Optio ist doch wie eine Mutter zu dir! Er zieht dich sogar an wie ein Baby!

Nero Ohren glühten vor Verlegenheit. Aber er wich nicht. Die Augen gerade ausgerichtet, straffte er sich. Jeder Atemzug ließ ihn den Helmgurt spüren, aber nur so saß der Helm richtig. Nach einigen Monaten schon würde Nero unten am Kinn eine kleine Narbe haben, die Stelle, an der der Gurt korrekt saß.

Das war nun der Anfang. Erst jetzt wurde geübt. Bellator drillte seine Männer mit der Präzision eines automata. 
Nero wusste, was automata waren. Auf dem Markt von Iscalis hatte ein Schausteller einmal einen künstlichen Vogel aus Metall gezeigt, der sogar mit den Flügeln schlagen und ein paar Töne piepen  konnte. Der Vogel kam von weit her...)

Der vitis traf zuerst den Rand von Neros Schild, hob ihn an. Selber schuld, wenn man beim Exerzieren an künstliche Vögel dachte!Der junge Rekrut bemühte sich, den Schild zu kontrollieren. Trotzdem konnte er es nicht vermeiden, gegen seinen Nebenmann Verus zu stolpern, als seine Schulter getroffen wurde.
"Tschuldigung", keuchte er leise, dann wollte er zurück auf seinen Platz. Haltung annehmen, Schild festhalten, aber  der Optio war schneller. Er war verdammt schnell. Was war das, was ihm so viel Kraft gab? Er wirkte keinen Moment so, als müsste er ausruhen. 

Neid. Nero spürte einen Anflug von Neid, gepaart mit heftiger Bewunderung.
Ein harter Hund hatte Fronto den Optio genannt. Nero wollte es ihm Recht machen. Er hätte sämtliche Kuchen seiner Vergangenheit dafür gegeben, von diesem Mann gelobt zu werden.
 Ob Optio Bellator wusste, dass noch ein  Lucius Asinius bei der Legion diente? Das war Rufus, sein Bruder, der ihm aber schon gesagt hatte, dass er ihn im Dienst nicht kennen würde. Im Dienst nicht...doch vielleicht in der Freizeit? Ein paar Tipps könnte er ihm bestimmt geben...Nero dachte zu viel. Er war nicht sehr schnell im Denken, aber er dachte eindeutig zu viel nach. 

Nero riss sich zusammen. Könne, hätte, wollte. Es war jetzt: Hier und jetzt, wo er seinen Mann stehen musste. Der Regen rauschte wie eine endlose graue Wand. Die Übung war noch nicht vorbei. Noch lange nicht.
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