Der Kuss endete so leidenschaftlich, wie er begonnen hatte. Saturninus Stirn ruhte noch immer an der des jüngeren Mannes, und er spürte den schnellen, flachen Atem des Medicus auf seinen Lippen.
In den dunklen Augen des Patriziers spiegelte sich das flackernde Licht der Öllampe wider, die auf dem kleinen Tisch brannte. Für einen Moment schweiften Saturninus Gedanken zu Carus ab– der Junge schlief, versorgt und in Sicherheit. Er würde lernen. Alles würde gut werden. Die diffuse Angst des Vaters war verflogen, und an ihre Stelle trat eine plötzliche, überwältigende Erleichterung, und dann Hitze.
Saturninus spürte das feine Begehren, das durch Primus’ Körper glitt. Er hatte in seinem Leben schon viele Liebeleien gehabt, flüchtige Affären voller Leidenschaft. Auch seine Ehe mit Serena war harmonisch, doch sie basierte auf Pflicht und Anstand. Doch hier, in der Nähe dieses keltischen Heilers, lag etwas völlig Fremdes: eine ungeschützte, raue Echtheit.
" Primus", flüsterte Saturninus..
Der Stoff der Tunika des Jungen glitt ein Stück herab und gab die helle Haut des Schlüsselbeins frei. Saturninus wanderte mit den Lippen von Primus Mund hinunter zu seinem Hals, setzte dort warme, sanfte Küsse an die empfindliche Stelle, an der Primus Puls schlug.
Die Welt draußen – die häuslichen Probleme– verblasste vollständig. Es gab nur noch das Rascheln von Stoffen im Dunkeln, den Duft von Heilkräutern und das süße, berauschende Gefühl, jemanden für diese Nacht oder für dieses Leben gefunden zu haben.
" Leg deine Tunika ab" , sagte Saturninus, fast war es ein Befehl. Aber Primus war keiner seiner Gespielen, war nicht gekauft, war nicht käuflich. Er war ein Gegenüber, ein Mann.
"
Bitte!", sagte er: "
Ich möchte dich ansehen"