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Garten
02-12-2025, 03:42 PM,
Beitrag #11
RE: Garten
Catia war am Morgen damit beschäftigt, Aidan zu waschen, ihm das Haar zu schneiden und zu kämmen und ihn anzuziehen. Den letzten Schliff wollte sie aber Rhea überlassen, die in einem römischen Haushalt gedient hatte und daher genau wusste, wie ein kleiner Römer auszusehen hatte. Aidan war zappelig vor lauter Aufregung, und er erzählte Catia, dass er seinen Vater besuchen und der ihm vielleicht ein eigenes Pferd schenken würde. Und dass er..... Ruanonan aufsitzen lassen und sie herumführen würde. Aidan nahm seine Verantwortung als großer Bruder sehr ernst. Catia hörte zu, nickte und zog ihm Schuhe an. Seine Knabentoga nahm sie über den Arm:
"Gehen wir zu Rhea, damit sie dir deine Toga in Falten legt!", sagte sie: "Gleich kommt der Mann, der euch beide mit einem Pferdewagen abholt" Catia jedoch würde hierbleiben und unter anderem auf "Ruanonan" achtgeben. Die einfallsreichen Zwillinge zu hüten war wie ein Sack Flöhe zu hüten. Jetzt musste sie nur aufpassen, dass die Kleinen nicht noch  mit Schmutzfingern Aidans schöne weiße Toga antatschten.... da hörte Catia den leisen Schrei und ihren Namen rufen. 
"Rhea?", schnell war die junge Frau bei der furischen Sklavin. Diese war offensichtlich gestürzt, denn sie saß auf dem Boden. Catia kniete sich zu ihr hin:
"Kannst du aufstehen?" Sie hielt ihr ihre Schulter so hin, dass Rhea sich abstützen konnte.
"Und auftreten? Warte, ich helfe dir. Zieh dich nur an mir hoch, ich habe Kraft!", Catia lächelte Rhea aufmunternd an. Sie wusste, wie sehr sich Rhea auf den Ausflug nach Iscalis freute.
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02-12-2025, 04:25 PM,
Beitrag #12
RE: Garten
Rhea ließ sich von Catia aufhelfen und stützte sich auf die Keltin, als diese ihr riet einmal aufzutreten, aber der Schmerz war so schlimm, dass es Rhea die Tränen in die Augen trieb und sie mit zusammengepressten Lippen den Kopf schüttelte. "Hilf mir bitte zur Bank, Catia" stöhnte die Sklavin schmerzgeplagt und humpelte dann langsam und mit Catias Unterstützung zur nahegelegenen Holzbank im Garten. "Ich kann nicht gehen. Du musst dem Dominus seinen Sohn bringen, wenn Furianus Gadrianus mit dem Wagen vor der Tür steht. Hol den Jungen und ich erkläre dir das mit den Falten der Toga" Die Anweisungen waren knapp, da der Schmerz schlimm war.

Nachdem der Junge dann abgefertigt war und endlich angezogen, wandte sich Rhea noch einmal an Catia. "Geh zu Gwendolyn. Sie wohnt zwei Häuser die Straße runter und sag ihr sie soll mir ihre Tochter schicken bitte. Gwendolyn ist Hebamme und ihre Tochter ein tüchtiges Mädel, das mir mit den Zwillingen helfen kann. Dann musst du dich auch noch waschen und kämmen und kannst mit Gadrianus nach Iscalis fahren um Tiberius abzuliefern. Auf meinem Bett liegt eine gute Tunika...die kannst du anziehen, falls du nichts anderes hast." Die Trauer in den Worten der Sklavin war kaum zu überhören. Sie hatte sich sehr auf diesen Ausflug gefreut.
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02-12-2025, 06:14 PM,
Beitrag #13
RE: Garten
Catia litt aus ganzem Herzen mit, als sie nun Rhea, deren Gesicht schmerzverzerrt war, zur Bank half:
"Soll ich auch noch die Heilerin holen... die...", Catia zögerte. Louarn hatte sie vor der Frau gewarnt, und Catia hatte auf seinen Rat gehört. Aber heute ging es nicht um sie, sondern um Rhea. Deren Knöchel war geschwollen und begann, sich bläulich zu verfärben:
"Gwarch? Warte, ich mache dir einen Essigwickel. Ein Essigwickel kann nie schaden"
 Rhea hatte jedoch Recht, in ihrem Zustand konnte sie nicht fahren. Daher beeilte sich Catia mit allen Vorbereitungen. Sie machte einen Essigwickel, lagerte Rheas Bein hoch, und stellte Aidan, damit die Zwillinge nicht an ihn herankamen, kurzerhand hoch auf den Gartentisch:
"Jetzt bitte die Toga, Rhea! Aidan du bleibst am besten dort, wo du bist, damit du nachher noch ordentlich aussiehst!"

Dann nahm Catia eine Scheibe altbackenes Brot, teilte sie in der Mitte und gab Ruairi und Ronan je ein Stück, damit sie daran herumkauen und beschäftigt waren:
"Seid lieb, ihr zwei Süßen! Ich komme gleich mit Gwendolyns Tochter wieder!"

Sie lief los und fand das Haus, das ihr Rhea beschrieben hatte.  Das junge Mädchen war am Flicken, kam aber mit ihr, als Catia die Sachlage erklärte.
Schnell ging es wieder zurück. Catia war außer Atem, als sie in den Garten rannte. 
Aidan war noch da, wo sie ihn zurückgelassen hatte. Die Zwillinge hatten beschlossen, ihre Brotstücke als Rattenköder auszulegen und legten sich auf die Lauer, eine Fette zu fangen. Sie spielen schön, dachte Catia erleichtert, als sie sich dann am Regenbecken schnell wusch und Rheas Tunika von deren Bett holte.  Einen Moment zögerte sie, Rheas beste Tunika anzuziehen. Sie war fast neu und leuchtend blau gefärbt und viel schöner als Catias eigenes, mehrfach geflicktes Kleid. Doch sie zog sie schließlich rasch über und gürtete sich. Rhea hatte ja keinen Zweifel darüber gelassen, dass Aidans Vater zu gehorchen und dass Eile geboten war. 
Noch ihre Zöpfe flechtend schaute Catia wieder nach Rhea. 
"Dein Knöchel wird bestimmt schnell wieder gut, und das nächste Mal bringst du Aidan selbst nach Iscalis. Und Danke für das Leihen dieser hübschen Tunika. Ich bringe sie dir heil zurück", sie strich mit beiden Händen über den Stoff, der locker um ihre Hüften fiel:
Ihr Bündel mit dem Geld hatte sie dabei. Vielleicht konnte sie Rhea etwas zum Trost aus Iscalis mitbringen. Es tat ihr Leid, doch ein bisschen gespannt war sie schon.
Mit dem Pferdewagen nach Iscalis gefahren werden.  Das erste Mal eine römische Stadt zu sehen. Und...Louarn zu besuchen, wenn er denn da war.....es fehlte noch und sie hätte es Aidan gleich getan und wäre vor Aufregung auf und niedergehüpft:
"Wann kommt Gadrianus endlich? Kommt er schon?", fragte Aidan und zupfte an einem von Catias Schleifenenden.
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09-19-2026, 04:50 PM,
Beitrag #14
RE: Garten
Es war so ein wundervoller Spätsommertag, dass es fast eine Verschwendung war, diesen mit der Wäsche zu verbringen. Ich seufzte und ließ mich vorsichtig auf die Holzbank in meinem Garten nieder. Der Garten war mein ganzer Stolz und ich verbrachte jede freie Minute hier mit meinem Gemüse, meinen Kräutern und den Beeren und Blumen. Ein sanfter Wind wehte und ich genoß die Abkühlung, während ich mir den schmerzenden Rücken rieb. Ich musste noch die Tiere in ihrem kleinen Stall füttern, auch wenn ich derzeit dank Schwangerschaft wieder so grazil und beweglich wie unsere dicke Milchkuh war, die um Samhain herum kalben sollte. 

Versonnen blickte ich auf mein "Häuschen", das für die Verhältnisse von Cheddar schon eine Villa war. Noch vor Dálachs Geburt nach meiner Hochzeit mit Owain hatten wir das Haus aufgestockt und die Jungs lebten im Obergeschoss des Hauses. Auch den Garten hatten wir stark erweitert und einen neuen Stall und Vorratsschuppen angelegt. Erst letztes Jahr hatten Owain und mein Ältester Aidan einen neuen Hühnerstall gebaut, nach dem der alte zu klein für unsere Hühnerschar geworden war. Auch Owains Schmiede ging sehr gut und Owains Söhne verbrachten fast ihre ganze Zeit mit ihrem Vater. Tagsüber war ich mit Rhea allein im Haus und vermisste meine Jungs und abends könnte ich sie erschlagen, wenn sie alle wie ein Wirbelsturm ins Nest zurückkehrten und mir die Haare vom Kopf fraßen und meine Nerven strapazierten. 

Ich vermisste meinen Erstgeborenen Aidan noch mehr als die Zwillinge, wenn ich ehrlich war. Aidan war mir von all meinen Söhnen immer am ähnlichsten gewesen in Gemüt und Natur. Die Zwillinge wurden schon bald nach ihrem zehnten Geburtstag von ihrem Vater abgeholt um in den Wegen der Druiden geschult zu werden. Ich wusste, dass dieser Tag kommen würde und auch wenn die Zwillinge manchmal ein wenig eigen waren, so hatte ich sie doch geliebt. Aber als Saturninus Aidan abgeholt hatte, dachte ich mein Herz würde zerspringen. Ich hatte einfach nicht damit gerechnet, nachdem ihm seine Frau doch schon mehrere Söhne geboren hatte. Wofür brauchte er da Aidan? Aber dagegen machen konnte ich ja nichts, da bei den Römern die Söhne dem Vater gehören.

Auch Dálach, Senán und Niall - die drei Söhne, die ich Owain geboren hatte, vermissten ihren großen Bruder Aidan schmerzlich. Vor allem der kleine Niall fragte fast jeden Abend, wo Aidan denn war und die Antwort blieb immer die selbe. Ob er wohl so römisch werden würde, dass er seine Mutter und seine keltischen Geschwister vergessen würde? Immerhin besaß er das Bürgerrecht und konnte als Römer leben und der Furius würde ihm bestimmt viele Türen öffnen können, die ein einfacher Kelte niemals durchschreiten könnte. Ich seufzte laut und rieb mir noch einmal den schwangeren Leib, ehe ich mich wieder auf meine Pflichten konzentrierte. 

Rhea war gerade damit fertig geworden, das Haus notdürftig aufzuräumen, als ich mich von der Bank erhoben hatte und nach dem Futtereimer für die Tiere bückte. Sie war immer noch die treue Seele des Hauses und eines der besten Geschenke des Furius. Freigelassen wollte sie nicht werden, sondern nur Teil der Familie bleiben und das war mir ganz recht. Mir war es ohnehin gleich, was irgendwo auf einem nutzlosen Stück Papier stand und eine Sklavin war sie für mich ohnehin nie gewesen. Bevor ich noch etwas sagen konnte, sah mich Rhea mahnend an und zeigte auf die gepolsterte Liege und nahm mir den Eimer aus der Hand. "Du weißt, dass du dich schonen musst, Deirdre! Gib das her und lass mich das machen!"

Ich hob nur die Arme um zu zeigen, dass ich kapitulierte, ehe Rhea lachend mit dem schweren Futtereimer davonzog um die Kuh, die Hühner und die Ziegen zu füttern. Später waren die Jungs heute mit dem Ausmisten dran und ich war gespannt, ob das heute noch stattfinden würde oder ob sie wieder irgendeine Ausrede finden würden wie "der Papa braucht noch gaaaaanz viel Hilfe in der Schmiede!" oder "die alte Cerna brauchte Hilfe beim Holz hacken und da mussten wir mit dem Stapeln helfen!" und andere ausgedachte Hürden. Hoffentlich waren sie wirklich bei ihrem Vater und gingen ihm zur Hand und zogen nicht wieder Streiche spielend durch die Gegend wie eine Bande von Streunern. Söhne waren so anstrengend...Mädchen waren so viel einfacher!
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09-24-2026, 10:31 PM,
Beitrag #15
RE: Garten
"Mutter!"
Der Ruf schallte über den Hof wie der schiefe Ton in einer ansonsten makellosen Melodie aus Ruhe und Frieden in der Natur. Es war der Ruf eines Jugendlichen, von Dringlichkeit getragen, ganz als ob jemand im Sterben lag. Oder zumindest in eine tote Katze getreten oder sowas.
Doch nein. Als Tiberius Victor - Aidan - in den Hof platzte, war noch alles an ihm dran: Arme, Beine, der Kopf und sogar sämtliche Zehen! Dennoch sah der Bursche aus als müsse er ganz dringend Hilfe erhalten.
Er warf die Tür zum Garten ins Schloss und blickte sich hektisch um. Nicht etwa nach seiner Mutter, dafür war später noch Zeit.
"Wo sind meine Hosen!?", rief er, beinahe panisch. Und der Grund dafür war offensichtlich. Vor kurzem erst hatte Victor seinen vierzehnten Geburtstag erlebt und nun zwangen sie ihn in dieses hässliche... Kleid! Toga, nannten sie es, wie sein Vater sie auch trug. Doch Victor hasste sie. Er hatte schon die Tunika nicht besonders gemocht, denn er hatte sich darin gefühlt wie ein Mädchen. Doch dieses Ding hier konnte man nicht einmal selber anziehen! Es musste einem jemand helfen! Und welcher Wahnsinnige trug so ein Ding in Britannia? Die Winter wurden arschkalt, da lief man doch nicht mit freier Schulter herum!
Der Junge hastete eilig ins Haus, natürlich erst nachdem er überprüft hatte, ob seine Brüder in der Nähe waren, die ihn dafür sicherlich auslachen würden. Er zog sich das Gewühl aus Stoff und Farben vom Leib und suchte sich seine Kleidung zusammen, die seine Mutter für ihn aufbewahrte und die er in Iscalis nicht tragen durfte. Als er zurück in den Garten kam, trug er immerhin schon einmal seine Hose, bevor er seine Mutter dann auch endlich mal umarmte und auch der guten Rhea einen herzlichen Gruß erteilte.
"Ich hab dich vermisst!", waren die ersten Worte, die der junge Furier dann auch wirklich an die Mama richtete.
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09-25-2026, 03:40 PM,
Beitrag #16
RE: Garten
Das Konzert aus summenden Insekten und zwitschernden Vögelchen zusammen mit dem warmen Sonnenschein hatten mich schon fast einnicken lassen, als mich Aidans lauter Ruf aus dem Halbschlaf riss. Mein Erstgeborener war das erste Mal seit Monaten wieder zu Hause und im ersten Moment klang seine Stimme ein wenig dramatisch, aber auf den ersten Blick schien ihm nichts zu fehlen. Ich hievte mich in eine sitzende Position, um ein wenig Platz für ihn auf der Bank zu machen, aber Aidan war anscheinend eher auf der Suche nach einer Hose. "Oben in der zweiten Kleiderkiste neben Dálachs Bett!" rief ich nur gut gelaunt, nachdem ich Gerumpel und Getrampel im Obergeschoss vernahm, wo sich Aidan anscheinend umzog. 

Auch Rhea, die bereits mit dem Füttern der Tiere fertig war, schien gut gelaunt zu sein und erwiderte die Begrüßung, nachdem sich der junge Furius umgezogen hatte und nun wieder wie ein Kelte mit einem leicht römischen Touch aussah. Als er dann endlich wieder vor mir stand und mich herzlich umarmte, hätte ich ihn am liebsten gar nicht losgelassen, aber der Junge war schon fast ein Erwachsener und bald würde ich noch viel weniger von ihm sehen. "Ich hab dich auch fürchterlich vermisst, mein Schatz" sagte ich freudig, ehe ich ihn doch noch los ließ. Ich deutete auf die Bank neben mir und sagte: "Setz dich doch, Aidan und erzähl...hast du schon viele spannende Sachen gelernt? Wirst du auch gut behandelt von deinem Vater und seiner Sippe?"
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09-25-2026, 05:07 PM,
Beitrag #17
RE: Garten
Aidan umarmte seine Mutter fest, denn monatelang hatte er sie nicht gesehen. Iscalis war nicht so weit weg, und doch durfte er nur selten herkommen. Und nur, wenn sein Vater gute Laune hatte oder ein schlechtes Gewissen. Tiberius wusste, dass es seinem Vater gar nicht recht war. Er wollte keine Kelten im Leben seines Sohnes. Womöglich war dies ein Grund dafür, wieso er ihn so wenig mochte, denn immerhin war er ein halber Kelte.
Nur ungern ließ er von Mutter ab, auch wenn ihn seine Brüder sicher ausgelacht hätten. Zu sehr vermisste er sie. Die Vorstellung, bald schon wieder zurück zu müssen, war ihm sehr unbehaglich. Er setzte sich neben sie, rückte aber so nah heran, wie es angemessen war.
"Ach... ja. Lerne jeden Tag irgendwas. Ich kriege immer noch Sprachunterricht, weil Vater nicht gefällt, wie ich manche Sachen ausspreche. Und Griechisch. Und noch anderes Zeug. Ich frag mich, wozu. Patrizier sollen gar nicht klug sein. Sie sollen immer nur machen, was die Eltern oder der Kaiser wollen und müssen alle unter ihnen wie Dreck behandeln. Das ist nicht so schwer."
Erneut und wie so oft wusste man nicht, ob Aidan damit einen Scherz machte oder es ernst meinte. Den Römern fiel es im Allgemeinen Schwerer, doch auf Keltisch brachte er durch seinen Ton den ihm innewohnenden Sarkasmus weitaus deutlicher zum Ausdruck. "Und jaaah. Sie... sind in Ordnung."
Wie so oft wollte er seiner Mutter keinen Kummer machen. Tatsache blieb, dass er gut versorgt blieb, aber etwas fehlte eben. Etwas viel. Sein Vater und er selbst verstanden sich nicht, jedenfalls kam es ihm so vor. Einzig Carus mochte ihn. Aber Carus mochte jeden. Einzig ihr Vater schaffte es, die kleine Frohnatur traurig zu machen. Was wiederum Aidan traurig fand.
"Ich muss jetzt diese schreckliche Toga tragen... Das ist ein Kleid! Das ist noch schlimmer als das Nachthemd, das ich zuvor tragen sollte!"
Das war eine annehmbare Beschwerde, dachte er für sich. Doch nichts sagte er von seinem Konflikt oder dass er lieber wieder hier leben würde. Er wollte nicht, dass seine Mutter am Ende womöglich noch Ärger bekam, weil sie den Vater zur Rede stellte. Erzählte nichts von der Frau seines Vaters, die ihn nicht wollte oder seiner schrecklichen Halbschwester. Nein, das konnte er ganz allein.
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09-27-2026, 03:09 PM,
Beitrag #18
RE: Garten
Ich genoss die Nähe Aidans und es fiel mir schwer, von ihm abzulassen. Leicht ruhte meine Hand noch auf seinem Unterarm, während er nahe bei mir saß und mir seinen Kummer klagte. Er erinnerte mich so sehr an meinen Vater, wie dieser auch oft sarkastisch und mit rabenschwarzem Galgenhumor gewettert hatte, wenn etwas nicht gut lief. Nur war Aidan noch jung genug, dass seine Stimme noch nicht voll Bitterkeit war, doch es war schwer für ein Kind zweier verschiedener Völker. 

"Römer sind verkehrte Menschen, weißt du. Sie sind taub für das, was das Land braucht und was in den Herzen der Menschen ist. Ich glaube das kommt davon, wenn man in diesen Marmorpalästen aufwächst." Ich konnte seine Ablehnung allem Römischen gegenüber spüren, was nur natürlich war. Kein Kind wollte zwischen seinen Eltern stehen und wählen, aber es war nun einmal alles so wie es war. "Ich weiß, dass es ätzend ist mit den Nachthemden und dem Griechisch, aber es ist wichtig, dass du soviel von deinem Vater lernst, wie du nur kannst, Aidan. Du wirst dieses Wissen in der Zukunft brauchen."

Ich konnte mir schon vorstellen, dass er nicht gerade herzlich behandelt wurde in der Villa des Furiers, aber da musste Aidan nun durch. Ich strich eine verirrte Haarsträhne aus seinem Gesicht. "Du wirst immer mein Aidan sein und kein römisches Nachthemd und kein griechisches Geschwafel oder hochnäsige Römer können das ändern. Außerdem war das Essen in der Villa eigentlich immer gut..." setzte ich noch ein tapferes Lächeln auf, auch wenn mir das Herz ein wenig weh tat. Ein Teil von mir hätte lieber gehört, dass er seinen Vater und die Römer hasste, aber das würde ja auch niemandem helfen und sein Leben nicht leichter machen. "Sind Sabi und Seang noch in der Villa? Die beiden haben immer so hervorragend für die Belegschaft gekocht und uns niemals dieses römische Zeug vorgesetzt."
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09-28-2026, 12:40 PM,
Beitrag #19
RE: Garten
Aidan zeigte sich wie üblich trotzig, auch wenn er am Ende ja doch einlenken würde. Am Ende war der Junge immer erstaunlich vernünftig.
"Aber wieso muss ich das brauchen? Wusstest du, dass nur römische Kinder auch Römer sein dürfen? Ich bin der Älteste, aber Vater darf mir gar nichts vermachen und einen tollen Titel bekomme ich auch nicht. Weil bei den Römern alles von der Mutter gilt. Also bin ich Kelte. Aber trotzdem darf ich kein Kelte sein. Das ist doch... Das ist doof! Ich verstehe das gar nicht!"
Und so war es. Er verstand all diese Regeln und Vorgänge nicht, denn sie ergaben gar kein Sinn. Sein Vater nannte ihn immer klug, aber so klug konnte man gar nicht sein, dass man diesen Mumpitz in seinen Kopf kriegte!
Mürrisch ließ er zu, dass die Mutti mit seinem Haar spielte, wenn es ihm auch noch etwas peinlich war.
"Jaaah, die sind noch da. Aber ich muss immer mit Vater essen und der lässt mich immer dasselbe essen wie er. Und... Und meine Schwester ist doof! Sie ist schrecklich! Der einzige der mich mag, ist Carus. Und Carus mag jeden..."
Jetzt polterte es ja doch alles raus. Es war, als habe Deirdre einen Staudamm eingerissen, an den von innen Unmengen von Wasser geschlagen waren. Vor einigen Nächten erst, vor ihrer Abreise, hatte ihm Saturnina gedroht, ihr Vater würde ihn töten lassen, wenn sie ihm die Geschichte mit den Keltenkriegern erzählen würde. Da hatte er schon Angst...
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09-28-2026, 03:13 PM,
Beitrag #20
RE: Garten
Es dauerte nicht lange, bis dann doch die halbstarke Maske fiel und das ganze Elend herauspurzelte, wie Spielsachen aus einem viel zu vollgestopften Schrank. Die Halbschwester war doof, das Essen war doof, der Vater wahrscheinlich auch doof und die ganze Umgebung blöd. Ich musste mich schon ein wenig zusammenreißen, damit mein Gesicht ernst blieb, da es am Ende doch sehr typisches Teenager-Elend war. Der römische Haushalt folgte viel strengeren Regeln und jeder hatte seinen Platz in dieser Rangordnung im Gegensatz zu meinem Haushalt.

Ich ließ von Aidans Haar ab und strich ihm beruhigend über den Oberarm. "Wie gesagt...Römer sind verkehrte Menschen, Aidan. Sie brauchen für alles Regeln und müssen alles in Schubladen stecken, es aufschreiben und kategorisieren. So sind sie eben...da kann man nichts machen. Du wirst deinen Platz noch finden, da bin ich mir ganz sicher. Dein Vater will dir viel Gutes tun und liebt dich, auch wenn er dir das auf römisch zeigt. Versuch ihn auch ein bisschen zu verstehen...er ist nicht wie du und ich aufgewachsen. Zeig ihm, dass er sich auf dich verlassen kann, indem du gut lernst und auch oft Sport machst. Das mögen römische Väter ganz gern."

Ich musste meine Glieder einmal strecken, als auch Rhea schon vorbei kam mit einem Tablett voll von unserem eigenen Käse, geräuchertem Speck, frischem Brot von heute vormittag und zwei Bechern mit Fruchtsaft. Um diese Zeit des Jahres hatten wir so viel frisches Steinobst, dass wir daraus Fruchtsaft machten, den alle meine Söhne immer geliebt haben. Ich schenkte ihr ein dankbares Lächeln und trank von meinem Saft und nibbelte ein wenig an Brot und Käse. "Iss ruhig, Aidan." forderte ich auch meinen Sohn auf, sich zu bedienen. 

"Du musst dich einfach früh morgens in die Küche schleichen und dann kannst du dir von Sabi was machen lassen. Sie sagt bestimmt nicht nein, wenn du sie von mir grüßt." fügte ich noch mit einem diebischen Grinsen hinzu. "Und was deine römischen Geschwister angeht...sei nicht gemein zu ihnen, auch wenn sie dich ärgern. Römer achten Frauen und Mädchen nicht besonders und vor allem dein Schwesterchen wird es schwer haben. Mädchen haben so gut wie keine Freiheiten, weißt du. Du wirst einmal wesentlich mehr Freiheit haben, sobald du erwachsen bist. Bis dahin musst du die Zähne zusammen beißen und auf deinen Vater hören, auch wenn es oft keinen Sinn macht."
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