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10-18-2026, 06:29 PM,
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Auf dem Forum vor dem Handelshaus Salvius
Falco stand vor dem Tor seines Handelshauses und war zufrieden. Hier war alles so, wie es sein sollte. Acantus hatte, wie erwartet, nichts schleifen lassen, und die Bücher waren voll.
Es war noch früh am Tag, und auf den Straßen und dem Forum herrschte noch wenig Betrieb. Genau das liebte Falco. Er sah der Stadt gerne dabei zu, wie sie erwachte und langsam zum Leben kam.
Ein streunender Hund schnüffelte am Straßenrand, doch es gab nichts für ihn zu finden. Iscalis war eine saubere Stadt, ganz anders als Rom oder Londinium. Auch war sie nie so verstopft, dass man die Karren und Wagen tagsüber unbedingt aus den Straßen verbannen musste.
Die ersten Beamten der Stadtverwaltung tauchten auf und eilten geschäftig zu ihren Büros. Ein Junge zog einen hoch mit Gemüse beladenen Karren über den weiten Forumsplatz, und der Hund von eben flitzte auf ihn zu. Kurz vor dem Karren kam er zum Stehen, rutschte jedoch auf seinem Hinterteil über das Pflaster. Gerade als er mit dem Karren zusammenzustoßen drohte, stolperte der Junge über seine eigenen Füße, verlor den Griff des Karrens aus den Händen, und das gesamte Gemüse kippte auf ihn herab und begrub ihn unter sich.
Der Hund rutschte am Karren vorbei und sah seine Beute schon verloren. Doch die Götter lieben solche kleinen Einlagen des Lebens und spendierten ihm eine dicke, runde Birne, die direkt vor seiner Schnauze landete.
Der arme Junge hingegen hatte eine fette Rübe auf die Rübe bekommen und lag nun völlig bematscht mitten auf dem Platz, für alle sichtbar und umringt von seiner kompletten Ladung.
Falco verzog nur leicht das Gesicht. Mit gutem Willen hätte man es als Schmunzeln bezeichnen können. Dann machte er sich auf den Weg, einmal rund um das Forum. Mal sehen, wen man dort so traf und was es Neues gab.
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10-19-2026, 07:38 PM,
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Catia
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RE: Auf dem Forum vor dem Handelshaus Salvius
Der Forumsplatz war zu dieser frühen Stunde noch recht leer, als Catia den langen Weg zurück Richtung Vicus einschlug.
In ihrer Hand hielt sie das frisch gekaufte Brötchen, von dem sie gerade den ersten Bissen nehmen wollte. Sie wusste, dass sie ihr Geld nicht gleich wieder hätte für Essen ausgeben sollen, doch ihr Magen hatte schon vor der Kundschaft vernehmlich geknurrt, und aus der Bäckerei hatte es so lecker geduftet. Catia war die letzten Tage hungrig geblieben. Ihr "Centurio", der so freundlich zu ihr war, war nämlich fort. Wenn er überhaupt ein Centurio war. Bestimmt hatte er das nur behauptet, um sie zu beeindrucken. Was verstand Catia schon von solchen Dingen?
Ihr schmerzten die Hände von der Kälte des Morgens, rau waren sie ; sie musste sie unbedingt später mit Schweineschmalz einreinben. Ihre Hände waren ihr Kapital. Catia hatte in aller Frühe bereits gleich zwei schwere Körbe voller Wäsche nach Iscalis hineingeschleppt. Es war zwar ein hartes Brot, sich im rauen, schmutzigen Vicus – dem geschäftigen Lagerdorf direkt vor den Mauern der römischen Castra – durchzuschlagen, aber sie verdiente dort mehr als in Iscalis. Dennoch bewahrte sich Catia ein paar anspruchsvolle Kunden aus der Stadt auf. Sie hielten der fleißigen jungen Frau seit Jahren die Treue, weil sie wussten, mit wie viel Sorgfalt sie ihre Stoffe behandelte. Und jeder Sesterz wurde für Catiacos zur Seite gelegt.
....Das polternde Geräusch eines umkippenden Karrens zerriss die morgendliche Stille.....
Catia machte einen Satz zur Seite, dan sah sie erst, dass das Unglück weiter weg geschehen war: Ein Junge hatte einen hoch mit Gemüse beladenen Karren über den weiten Forumsplatz gezogen, und war über seine eigenen Füsse gestolpert (oder hatte einem Strassenhund, der sich soeben eine Birne stibitzte, ausweichen wollen?) Das gesamte Gemüse war auf den Jungen gekippt und begrub ihn unter sich.... Die Umherstehenden feixten über das Missgeschick, aber Catia lachte nicht mit.
Sie eilte mit schnellen, besorgten Schritten über das Pflaster. Sie ignorierte die herablassenden Blicke der vorbeigehenden Honoratioren und kniete sich ohne jede Scheu vor dem Schmutz direkt neben den Jungen. Er war älter als ihr Catiacos, jedoch nicht viel. Die Körbe stellte sie hinter sich.
Durch die jahrelange, schwere Arbeit als Wäscherin war Catia zupackendes Arbeiten gewohnt und besaß ziemlich viel Kraft. Energisch begann sie, die schweren Kohlköpfe und Rüben von dem zitternden Oberkörper des Jungen zu wälzen. "Alles gut, ganz ruhig, ich bin ja jetzt da, Kleiner“, murmelte sie mit einer Stimme, die so freundlich klang, dass der Junge sich aufrichtete. Sorgsam strich ihm Catia den Dreck aus dem Gesicht, während sie eine besonders dicke Rübe beiseite feuerte, die seinen Kopf getroffen hatte.
Sie hob ihr Brötchen hoch:
"Schau mal, es ist noch ganz warm. Und ich habe nur einmal davon abgebissen. Möchtest du?",
der Junge nickte, und Catia gab es ihm. Dann aber bemerkte sie einen Langfinger, der sich verdächtig für ihre Wäschekörbe interessierte. Catia konnte auch anders. Sie nahm ene der Rüben und pfefferte sie mit ziemlicher Treffsicherheit auf den Dieb. Der Bursche jaulte auf und verschwand in einer Nebengasse.
"Wag das nie wieder!", schrie Catia ihm nach. Eben hatte sie noch sanft gesprochen, jetzt kreischte sie wie eine Frau aus der Subura. Dann stand sie auf, bemerkte dass da noch ein Iscaler Bürger war, der über die Szene schmunzelte.
"Vale bene", sagte Catia auf Latein, und versuchte, die Wäschekörbe einigermaßen bequem zu schultern....jetzt hatte sie wieder Hunger, denn das Brötchen hatte sie ja verschenkt...
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10-20-2026, 10:10 AM,
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RE: Auf dem Forum vor dem Handelshaus Salvius
Falco wollte seinen Rundgang gerade fortsetzen, als er aus dem Augenwinkel noch eine Bewegung wahrnahm.
Jemand hatte sich zu dem Jungen hinuntergebeugt, um ihm aufzuhelfen.
Eine junge Frau, rothaarig und, soweit er erkennen konnte, mit durchaus ansehnlicher Figur. Nun, offenbar war alles wieder in Ordnung.
Er setzte seinen Weg fort, doch schon wenige Schritte später entstand neue Unruhe auf dem Forum.
Ein altes Fischweib schien sich lautstark zu beschweren. Neugierig wandte Falco den Kopf, doch zu seiner Überraschung entdeckte er keine Furie, sondern die junge Frau von eben. Eine Rübe flog durch die Luft und traf einen anderen Jungen, der sich rasch wieder aufrappelte und die Flucht ergriff. Die Rothaarige hatte sich inzwischen in eine wahre Briganta verwandelt und schimpfte dem Flüchtenden hinterher, als wollte sie ihm am liebsten noch den Rest ihres Gemüses nachwerfen.
Falco musste sich zusammenreißen, um nicht laut loszulachen. Einem ehrbaren Bürger Iscalis stand es schließlich nicht an, sich auf offener Straße wie ein Gassenjunge zu benehmen.
Die Frau bemerkte ihn. Eine zarte Röte huschte über ihre Wangen, doch ob aus Scham über ihren Ausbruch oder wegen der Beschimpfungen, die sie dem Jungen nachgerufen hatte, vermochte Falco nicht zu sagen.
Sie hob ihre vollen Körbe auf und lud sie sich auf die Schultern. Falco ließ den Blick kurz über die Last gleiten. Für eine Frau war das eine beachtliche Menge, auch wenn er bezweifelte, dass sie seine Einschätzung sonderlich interessiert hätte.
„Vale bene“, grüßte er sie.
„Ist das nicht etwas zu schwer für eine Frau?“, fragte er beiläufig.
Die Worte waren ihm herausgerutscht, ehe er sich recht überlegt hatte, weshalb er sie überhaupt ansprach. Normalerweise hätte ihn die Last einer Fremden kaum beschäftigt. Sie war keine vornehme Römerin, und er hatte keinen Grund, sich um ihre Angelegenheiten zu kümmern.
Vielleicht war es die Art, wie sie eben noch dem Jungen geholfen und im nächsten Augenblick mit einer fliegenden Rübe einem Dieb vertrieb. Ein ungewöhnlicher Wechsel, der ihn schmunzeln ließ, obwohl er sich das lieber nicht anmerken lassen wollte.
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10-22-2026, 05:27 PM,
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Catia
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Beiträge: 108
Themen: 5
Registriert seit: Nov 2024
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RE: Auf dem Forum vor dem Handelshaus Salvius
Catia pustete sich eine Strähne aus der Stirn und mit ihren dunklen Augen taxierte sie kurz Falco, so wie sie es im Vicus gelernt hatte: die geschnittenen Haare, das rasierte Gesicht, die saubere, ordentliche Kleidung ohne Flicken, die Ringe an den Fingern, der gute Geruch nach Thermenbad und Körperöl, und die weichen Lederschuhe, ohne dass er jedoch einen patrizischen Halbmond trug. Außerdem konnte er es sich leisten, gerade nichts zu tun. Besonders jedoch war es der Geruch. Catia hatte die Idee, dass sie sich schrubben konnte, bis ihre Haut rot war, den Armutsgeruch bekam sie nicht weg.
Die anderen Mädchen hätten den Herren sofort einen "Geldsack" genannt, und sich ihm an den Hals geworfen, das war einmal etwas Anderes als so ein chronisch klammer Legionär, der um jedes As feilschte.
Nun erwiderte der Römer Catias Gruß und fragte beiläufig, auf ihre Wäschekörbe zeigend: „Ist das nicht etwas zu schwer für eine Frau?“
"Ich bin es gewohnt, diese Körbe zu schleppen", erwiderte Catia und lächelte zaghaft. Sie lächelte, doch in ihren Augen lagen ein wilder Stolz und eine Herausforderung:
"Aber dein Geldsack braucht bestimmt jemanden, der ihm ein wenig von seiner Last abnimmt. Ein so stattlicher Mann wie Du sollte auf dem Forum nicht so schwer tragen müssen"
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10-23-2026, 12:28 PM,
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RE: Auf dem Forum vor dem Handelshaus Salvius
Der Stolz in den Augen der jungen Frau ließ Falco noch einen Moment länger verweilen. Eigentlich hatte er seine Bemerkung nur so dahingesagt, doch ihre Reaktion hatte seine Aufmerksamkeit geweckt.
Trotz ihrer schlichten Kleidung besaß sie etwas, das Falco als edel empfand. Ob es an ihrem Blick lag oder an ihrer spitzen Zunge, vermochte er noch nicht zu sagen. Vielleicht war es auch die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihm begegnete, ohne sich von ihm beeindrucken zu lassen.
Einen Augenblick lang sah er sie beinahe entsetzt an, dann brach er in ein herzhaftes Lachen aus.
„Du bist mir ja eine! Mach dir keine Sorgen um meinen Geldbeutel. Spätestens, wenn ich wieder zu Hause bin, ist er ohnehin schon leichter. Sag, wie willst du ihn denn erleichtern? Ich gehe einmal nicht davon aus, dass du mich bestehlen willst. Also, was hast du anzubieten, um mir diese schwere Last abzunehmen?“
Während er sprach, löste er den Beutel von seinem Gürtel und ließ ihn in der Hand hin und her schwingen. Viel wog er nicht, und auch sein Inhalt war überschaubar.
Falco war ein vorsichtiger Mann. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass sich ein Beutelschneider auf dem Forum herumtrieb. Sein Geldbeutel enthielt ohnehin nur wenige Münzen. In Iscalis genoss er überall Kredit und brauchte bares Geld nur selten. Meistens hatte er ein paar Münzen für die Kinder übrig oder spendete sie den Göttern als Opfergabe.
Er ließ den Beutel noch einmal in seiner Hand kreisen und wartete auf ihre Antwort. Es würde sich zeigen, ob hinter der frechen Bemerkung mehr steckte als eine flinke Zunge. So oder so hatte sie ihm einen amüsanteren Zeitvertreib verschafft, als er bei seinem morgendlichen Rundgang erwartet hatte.
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Gestern, 04:06 PM,
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Catia
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Beiträge: 108
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Registriert seit: Nov 2024
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RE: Auf dem Forum vor dem Handelshaus Salvius
Catia legte den Kopf schief, während sie den schweren Geldsack in Falcos Hand musterte. Sie wusste, dass sie eigentlich hätte gierig sein müssen, doch es gelang ihr nicht wirklich. Sie selbst brauchte nicht viel. Zumindest war dieser Römer nett und redete mit ihr wie mit einem menschlichen Wesen und verscheuchte sie nicht gleich wie lästigen Abschaum.
" Ich habe noch nie etwas gestohlen, edler Bürger. Wenn du jedoch eine amica suchst, die dir die Einsamkeit vertreibt, dann bin ich ganz dein“, sagte sie mit einem kleinen Lächeln, bevor sie jedoch auf seine Kleidung deutete und die Stirn runzelte:
"Aber wenn du eine Wäscherin suchst, die deine Toga wieder kaiserlich strahlen lässt, dann bist du bei mir erst recht richtig! Ich weiche die Stoffe nicht nur lustlos im Fluss ein. Ich stampfe die Wolle erst gründlich...", nun ja, feine Herren wollten das meist nicht so genau wissen, aber Catia sprach es aus:
"...in warmem Urin, um jeden Schweißfleck zu lösen, schrubbe sie dann mit feinster Tonerde und reibe sie danach mit duftendem Bohnenkraut ein.“ Sie winkte verächtlich ab:
"Deine bisherige Wäscherin taugt doch kein As! Bei mir riecht dein Gewand danach wie der Frühling selbst!“
Mitten in ihrer eifrigen Rede gab ihr Magen jedoch plötzlich ein langes, verräterisches Knurren von sich, dass sie augenblicklich rot im Gesicht wurde. Catia presste schnell eine Hand gegen das kratzige Leinen ihres Kleides, überspielte die Scham mit einem gezwungenen Glucksen:
"Verzeihung!" plapperte sie hastig darauf los:
"Das kommt nur von den unzähligen süßen Mostbrötchen, die ich heute morgen schon gegessen habe. Die liegen mir jetzt einfach unglaublich schwer im Magen.“
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