|Lucius Sabinius Dexter
An diesem Vormittag lag geschäftiges Treiben über dem Forum von Iscalis. Händler priesen lautstark ihre Waren an, Handwerker diskutierten über Aufträge, und zwischen den Säulen der Basilika wechselten Neuigkeiten ebenso rasch die Besitzer wie Münzen. Mitten durch das Gedränge schritt Marcus Sabinius Merula, den Kopf hoch erhoben, seinen achtjährigen Sohn Lucius Sabinius Dexter an der Seite. Wie immer begleiteten ihn zwei stämmige Sklaven, die für ihre Sicherheit sorgen sollten.
Der Junge hatte sich geschniegelt, wie es sich für den Sohn eines angesehenen Bürgers gehörte. Sein Blick wanderte neugierig von einem Stand zum nächsten, doch zugleich bemerkte er, dass viele Menschen seinen Vater grüßten. Mal hob jemand respektvoll die Hand, mal trat ein Händler sogar aus seinem Laden, um ein paar freundliche Worte mit dem Sabinius zu wechseln.
Merula bemerkte die staunenden Blicke seines Sohnes und konnte ein leichtes Lächeln nicht unterdrücken. Es erfüllte ihn mit Stolz, den Jungen an seiner Seite zu sehen. Dexter war klug, aufmerksam und lernbegierig. Vieles erinnerte ihn an sich selbst, als er in Dexters Alter gewesen war.
Vor dem Brunnen blieb Marcus stehen. Ein alter Magistrat, den er seit Jahren kannte, wechselte einige Worte mit ihm und nickte dabei auch dem Jungen freundlich zu. Nachdem der Mann weitergegangen war, blickte Dexter zu seinem Vater auf.
"Warum grüßen dich alle, Vater?" Merula verschränkte die Hände hinter dem Rücken und betrachtete die Menschen auf dem Platz.
"Weil sie mich kennen. Und weil ich mir ihren Respekt über viele Jahre verdient habe."
Der Junge dachte einen Augenblick darüber nach.
"Als Soldat?"
"Nicht nur als Soldat", antwortete Merula.
"Damals war ich Centurio. Heute bin ich Bürger dieser Stadt. Die Menschen achten nicht darauf, was ein Mann einmal gewesen ist. Sie achten darauf, was er jeden Tag aus sich macht."
Langsam setzten sie ihren Weg fort. Sie schritten an Tempel und Marktständen vorbei, während die Herbstsonne die Steinplatten des Forums erwärmte.
Merula wusste, dass sein Sohn noch jung war. Dennoch glaubte er, dass man mit wichtigen Lektionen nicht früh genug beginnen konnte.
"Weißt du, Dexter, viele Menschen treiben einfach durchs Leben. Sie warten darauf, dass andere für sie entscheiden. Doch ein Mann sollte sich früh überlegen, welchen Weg er gehen will."
Der Junge runzelte die Stirn.
"Aber ich bin doch noch klein," meinter er schließlich.
"Das stimmt. Niemand erwartet heute von dir Entscheidungen für dein ganzes Leben. Aber du kannst bereits anfangen nachzudenken, was einmal aus dir werden soll. Möchtest du einmal Soldat werden? Oder dich um unseren Gutshof kümmern? Oder vielleicht etwas ganz anderes?"
Dexter schwieg eine Weile.
"Ich weiß es nicht, Vater."
Merula lächelte milde.
"Das ist keine schlechte Antwort. Schlecht wäre nur, niemals darüber nachzudenken."
Sie erreichten den Rand des Forums, von wo aus man einen guten Blick über die Stadt hatte. Rauch stieg aus den Häusern auf, Kinder spielten in den Gassen, und irgendwo bellte ein Hund.
Merula legte eine Hand auf die Schulter seines Sohnes
"Als ich in deinem Alter war, träumte ich davon, Soldat zu werden. So wie mein Vater. Später habe ich dieses Ziel erreicht. Nicht ohne Mühe und nicht ohne Opfer. Das Leben hat mich dann auf Wege geführt, die ich nie erwartet hätte. Aber ich hatte immer ein Ziel vor Augen."
Dexter blickte auf die Dächer der Stadt.
"Und deshalb bist du jetzt wichtig?"
Marcus lachte leise.
"Wichtig? Vielleicht. Doch das ist nicht das Entscheidende. Viel wichtiger ist, dass ich etwas erreicht habe, auf das ich stolz sein kann. Reichtum kann verloren gehen. Ämter kommen und gehen. Aber das Wissen, trotz widriger Umstände etwas aus seinem Leben gemacht zu haben, bleibt." Der Junge nickte langsam. Ob er jedes Wort verstand, wusste Merula nicht. Doch das spielte keine Rolle. Solche Gedanken brauchten Zeit, um zu wachsen.
SimOff: Wer immer auch den Weg der beiden queren möchte, sei herzlich dazu eingeladen.