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RE: Contubernium Felicis, dritte Centurie, Cohors II
Es waren Momente wie dieser, in denen sich Aelius Varro fragte, ob der Dienst in der Legion wirklich das Richtige für ihn war. Die Stunden waren anstrengend, die Drills mörderisch. Und jetzt gerade fühlte er sich, als würde er niemals dieselbe Disziplin und Stärke an den Tag legen können wie die anderen. Es war kalt und er klitschnass. Geschlafen hatte er nicht, seine Arme und Beine taten weh von der harten Arbeit am Tag. Und doch schienen die Augen des Optio mit Blitzen zu schießen und zu sagen 'Noch nicht genug!' Sie schienen zu spotten. Marcus gab sich redlich Mühe, die Haltung seiner älteren Kameraden zu imitieren. Fester Stand, Blick nach vorn, Schild fest. Doch ihm fehlte schlicht die Kraft, um die Angriffe seines Vorgesetzten abzuwehren, ohne sich dabei auch nur zu rühren. Unter seinen Sandalen gab der Schlamm nach und obwohl er sich gegenstemmte, brachte der Optio seinen Schild erneut zu Fall. Grimmig sah ihm Marcus in die Augen. Es war unfair. Bei ihm schlug er viel härter zu als bei den anderen! Als der Schinder dann endlich weiterging, atmete er tief aus. Die ganze Zeit hatte er den Atem angehalten. Sein Schildarm zitterte von der Last und der bereits zuvor nicht unwesentlichen Belastung. Er war wirklich erschöpft. Und der nächste Tag versprach, nicht besser zu werden. Wenn er überhaupt diese Nacht überlebte... Er fühlte sich wie ein kleiner Junge, der überhaupt nicht wusste, worauf er sich eingelassen hatte.
Nunmehr traute er sich nicht einmal, nach links in das Gesicht seiner beiden Kameraden zu sehen. Wenn er das hier stumm trug, ließ ihn der Optio vielleicht in Ruhe.
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