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[Biclinium] Der Patrizier und der Medicus
Heute, 12:05 AM,
Beitrag #6
RE: [Biclinium] Der Patrizier und der Medicus
'Auch ich weiß mir zu helfen'. Darauf mochte Ronan wetten. Er konnte sich nicht denken, dass jemand wie der Furius lange suchen musste, um Spaß zu haben.
"Das heißt, eure Ehefrauen haben die Qualitäten und machen die Kinder und die übrigen Frauen sind da, um sich zu vergnügen?", fragte der junge Kelte mit einem schiefen Lächeln. Ein Teil von ihm verurteilte dieses Gebahren natürlich, denn es waren patrizische Römer. Der andere Teil wollte das durchaus verstehen. Ein Heiliger war er selbst beileibe nicht. Andererseits war er noch jung und hatte sich immer gesagt, das würde sich in der Ehe schon noch geben.
Das weit dringlichere Thema schien dem Furier jedoch sein Junge zu sein, zu dem er deutliche Worte fand. Er sprach es zwar nicht direkt aus, doch seine Befürchtung wurde deutlich.
"Du fürchtest also, dein Junge ist das, was die Griechen einen 'Idioten' nennen, wie?", stellte er klar. Ronan war nie einer gewesen, der sich gern subtil ausdrückte. Für seinen Lehrer oftmals ein Umstand der Klage und sicher ein Grund, warum einer wie er nicht in die Politik gehörte.
"Nun... Der... Geist ist uns immer noch ein großes Rätsel. Die Götter machen da mit uns, was sie wollen. Einst glaubte man sogar, solche Leute seien Auserwählte, wenn ich mich recht an die Lehren meines Meisters entsinne." Die Römer hatten dazu freilich eine andere Einstellung. "Aber alles in allem... glaube ich das nicht. Es ist natürlich zu früh, etwas zu sagen und es gibt weitaus bessere Heiler als mich, die dir deine Fragen beantworten könnten. Doch du sagtest, er mache 'Fortschritte', ja? Wenn alle Hoffnung verloren wäre, würde es solche vermutlich nicht geben. Nenn mich naiv, aber langsamer als der Rest zu sein, ist für mich keine Schande. Am Ende kommt man ans Ziel, auch wenn man unterwegs womöglich etwas die Landschaft bewundert hat. Wenn der Junge bei seinem großen Bruder die Fortschritte macht, die er bei seinen tausend Hauslehrern nicht macht, liegt es vielleicht am Lehrer."
Dass der Älteste Sohn des Furiers nicht sein Erbsohn war, wussten in Iscalis alle. Ronan selbst hatte die Nase eines Burschen verbunden, der Bekanntschaft mit der Faust des wilden Keltenjungen gemacht hatte, weil er ein paar ungehörige Kommentare zu dessen Mutter gemacht hatte. Ronan fand es unfair. Der Junge war gezwungen, hier unter Römern zu leben, doch wenn es um die wichtigen Dinge ging, würde er hier ewig ein Kelte bleiben. Wieso ihn dann nicht gleich bei seinesgleichen belassen?
Aber... ging ihn nix an. Dies war nicht sein Zirkus, also waren dies auch nicht seine Löwen.
"Es gibt natürlich Mittel, mit denen man seinen Geist anregen kann, aber nichts davon macht aus einem kleinen Jungen plötzlich ein Genius. Es sind konzentrationsfördernde Mittel. Kann man versuchen, doch nichts davon dürfte einen Einfluss haben, wenn er in grundlegender Weise nicht mitkommt. Du solltest dir vielleicht einen Gelehrten suchen, der sich ausschließlich mit ihm beschäftigt. Am besten jemand Geduldigen, der sich nicht beleidigt fühlt, wenn man seine Lehren nicht aufsaugt wie ein Schwamm. Mein Meister erklärte mir einmal, dass viele Gelehrte ein größeres Ego haben als die Väter jener, die sie ausbilden sollen.
Ich muss sagen, ich war über die Art dieses Gesprächs überrascht. Normalerweise geht es, wenn man mich unter vier Augen sehen will, beinahe ausnahmslos um die Potenz."
[Bild: 3_15_08_22_9_38_19.png]
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RE: [Biclinium] Der Patrizier und der Medicus - von Ronan - Heute, 12:05 AM

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