"Fenia weiß Rat", sagte ich erleichtert, denn ja, die Piktin hatte mir gesagt, dass es einen Trank gab, die Schwangerschaften unterband. Mehr verriet sie mir nicht, denn das war
Frauenwissen:
"Wenn wir es wünschen, so gibt es ein Mittel, welches dafür sorgt, dass so schnell kein Kind empfangen wird, sagte sie mir" Ich sagte:
so schnell und nicht für immer. Das wollte ich Stella, die so eine hingebungsvolle Mutter war, nicht antun.
Meine Fridila küsste mich und streichelte mein Haar. Ihre Bewegungen wurden aber dabei langsamer und langsamer, bis ihre Hand stoppte, da war sie fast eingeschlafen.
Unser Sohn Illiborn maunzte wie ein Kätzchen, doch ich wollte nicht, dass er Stella weckte, und so sang ich ein Skaldenlied, das ihn beruhigte, Fridila jedoch einen schönen Traum bescheren würde.
Ich sang also leise:
"Weißt du noch, Stella, wie der Wind uns rief?
Kein Dach aus Stein, nur der Himmel so tief.
Wir flohen vor Mauern, vor Zorn und vor Geld,
Zwei vogelfrei Liebende am Ende der Welt.
Oh, wild war der Sommer, so frei und so grün,
wo im Schilf der Marschen die Blumen erblühn.
Kein Hof und kein Diener, kein Vieh und kein Land,
nur deine Hand, Fridila, in meiner Hand.
Schlaf ein, mein Stern, und träume vom Wind,
vom Sommer im Schilf und von unserem Kind.."
Leise raunte ich in Stellas Ohr und besiegelte die letzte Zeile mit einem sanften Kuss. Mein Blick wanderte von dem friedlich atmenden Illiborn zu ihrem blassen, erschöpften Gesicht. Die Geburt hatte sie schwer gezeichnet. Doch in ihren Augen brannte noch immer dasselbe Feuer, das mich damals dazu gebracht hatte, mit ihr fortzulaufen. Ich strich ihr mit dem Daumen ganz sanft über die Wange:
"Ich habe die Marschen keinen Augenblick vergessen, mein Stern“, flüsterte ich so leise, dass es fast im Raum verflog:
"Aber jetzt musst du schlafen. Werd gesund. Wenn das Korn reif ist und die Schwalben ziehen, bringe ich dich und unsere süssen Kinder wieder zum Sabrinafluss. Das verspreche ich dir, meine Fridila"