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RE: Elfengarten
Die neue Hauptstadt des Volkes der Dobunni war das neuerrichtete Corinium Dobunnorum, das seit dem Abzug der dort stationierten römischen Auxiliartruppen sich zu einer bedeutenden römischen Stadt mauserte. Noch war Corinium aber nicht prächtiger als Iscalis.
Daneben gab es aber noch den alten Königssitz der Dobunni, Bagendon. Der Ort war nahezu verlassen; die meisten Dobunni zogen die römische Lebensweise vor. König Catti war in Corinium gestorben, doch aus Bagendon war ein Bote auf den Comuxhof gekommen. Ein Rat aus Adel sollte sich treffen. Dort war auch des verstorbenen Königs Wagenlenker: Comux Ap Anted, Eisus Vater, und er hatte nach Eisu geschickt.
Eisu ahnte schon, um was es gehen sollte: Da Prinz Inam den Krieg suchte, mussten die Honoratioren von Corinium einen Entschluss fassen, wie hier zu verfahren war. Wenige Dobunni wollten ihr römisches Leben aufgeben, doch einige junge Männer hatten sich von Inam und seinem druidischen Begleiter überzeugen lassen. Für die Dobunni selbst war die Situation gefährlich. Die Adler von Rom hatten mehr als einmal bewiesen, wie sie mit Stämmen umgingen, an deren Loyalität sie zweifelten.
Meowe hatte Eisu gesagt, wo Clara zu finden war. Sie weilte in ihrem Elfengarten. Immer wenn Eisu dieses Stück Erde betrat, auf dem Lady Gerwina wirkte, ergriff ihn so etwas wie Ehrfurcht. Die goldene Frau aus dem Norden, die Germanin, hier war der Ort ihrer Seele.
Sie hatte dieses Stück Erde in eine Oase verwandelt, die wie sie selbst war: eine vollkommene, bezaubernde Verschmelzung ihrer germanischen Heimat mit der keltischen Welt, in der sie so rasch Freunde gefunden hatte.
Der Garten atmete die reife, schwere Pracht des Spätsommers.
Eisu folgte einem schmalen Pfad aus hellen Mosaikkieseln, den Gerwina mit der Akkuratesse ihrer Heimat hatte anlegen lassen. Zur Linken und Rechten erhoben sich geordnete Beete, in denen tiefblauer Rittersporn und edle, weiße Lilien majestätisch in den Himmel ragten, eingerahmt von sauber gestutzten Buchsbaumhecken.
Doch diese kultivierte Ordnung blieb nicht lang allein; sie ging eine sanfte, fast zärtliche Ehe mit der wilden Natur Britanniens ein. Gerwina hatte die einheimischen Pflanzen nicht vertrieben, sondern sie eingeladen, Teil ihres Zuhauses zu werden. So brachen aus den Fugen der steinernen Beeteinfassungen wilde Glockenblumen hervor, und dichte Teppiche aus duftendem Thymian überwucherten sanft die Ränder des Weges.
Eisu strich im Gehen mit der Hand über die schweren, reifen Himbeeren und wilden Brombeeren, die von dornigen Ranken herabhingen. Er lächelte bei dem Gedanken, wie aus der Fremden in wenigen Monden die beliebte Herrin geworden war, die am Brunnen lachte und die keltischen Lieder mitsang. Selbst die widerspenstige Meowe ergab sich ihr.
Die Magie des Augustlichts lag wie flüssiges Gold über dem Anwesen. In der warmen Luft tanzte goldener Blütenstaub, der in den schrägen Sonnenstrahlen aufleuchtete, die durch das dichte Blätterdach alter Weiden fielen. Es summte und summte; Aberhunderte von Bienen berauschten sich an den spätsommerlichen Blüten, und der süße, schwere Duft von Lavendel und reifem Obst erfüllte jeden Winkel.
Als Eisu den kleinen, künstlich angelegten Bachlauf erreichte, der leise über glatt geschliffene Kiesel plätscherte, sah er wilden Farn und Moos bepflanzt, als stünde die Quelle seit Jahrhunderten unberührt im tiefsten Urwald. Smaragdgrüne Libellen schossen wie lebendige Edelsteine über die Wasseroberfläche.
Eisu blickte sich um und wusste, dass es unmöglich war zu sagen, wo die Arbeit einer geschickten Gärtnerin endete und der Zauber einer Elfe begann. Er sah Clara nicht, wusste aber, dass sie hier war. Mit einem Lächeln wartete er.....
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