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RE: Garten
Es war so ein wundervoller Spätsommertag, dass es fast eine Verschwendung war, diesen mit der Wäsche zu verbringen. Ich seufzte und ließ mich vorsichtig auf die Holzbank in meinem Garten nieder. Der Garten war mein ganzer Stolz und ich verbrachte jede freie Minute hier mit meinem Gemüse, meinen Kräutern und den Beeren und Blumen. Ein sanfter Wind wehte und ich genoß die Abkühlung, während ich mir den schmerzenden Rücken rieb. Ich musste noch die Tiere in ihrem kleinen Stall füttern, auch wenn ich derzeit dank Schwangerschaft wieder so grazil und beweglich wie unsere dicke Milchkuh war, die um Samhain herum kalben sollte.
Versonnen blickte ich auf mein "Häuschen", das für die Verhältnisse von Cheddar schon eine Villa war. Noch vor Dálachs Geburt nach meiner Hochzeit mit Owain hatten wir das Haus aufgestockt und die Jungs lebten im Obergeschoss des Hauses. Auch den Garten hatten wir stark erweitert und einen neuen Stall und Vorratsschuppen angelegt. Erst letztes Jahr hatten Owain und mein Ältester Aidan einen neuen Hühnerstall gebaut, nach dem der alte zu klein für unsere Hühnerschar geworden war. Auch Owains Schmiede ging sehr gut und Owains Söhne verbrachten fast ihre ganze Zeit mit ihrem Vater. Tagsüber war ich mit Rhea allein im Haus und vermisste meine Jungs und abends könnte ich sie erschlagen, wenn sie alle wie ein Wirbelsturm ins Nest zurückkehrten und mir die Haare vom Kopf fraßen und meine Nerven strapazierten.
Ich vermisste meinen Erstgeborenen Aidan noch mehr als die Zwillinge, wenn ich ehrlich war. Aidan war mir von all meinen Söhnen immer am ähnlichsten gewesen in Gemüt und Natur. Die Zwillinge wurden schon bald nach ihrem zehnten Geburtstag von ihrem Vater abgeholt um in den Wegen der Druiden geschult zu werden. Ich wusste, dass dieser Tag kommen würde und auch wenn die Zwillinge manchmal ein wenig eigen waren, so hatte ich sie doch geliebt. Aber als Saturninus Aidan abgeholt hatte, dachte ich mein Herz würde zerspringen. Ich hatte einfach nicht damit gerechnet, nachdem ihm seine Frau doch schon mehrere Söhne geboren hatte. Wofür brauchte er da Aidan? Aber dagegen machen konnte ich ja nichts, da bei den Römern die Söhne dem Vater gehören.
Auch Dálach, Senán und Niall - die drei Söhne, die ich Owain geboren hatte, vermissten ihren großen Bruder Aidan schmerzlich. Vor allem der kleine Niall fragte fast jeden Abend, wo Aidan denn war und die Antwort blieb immer die selbe. Ob er wohl so römisch werden würde, dass er seine Mutter und seine keltischen Geschwister vergessen würde? Immerhin besaß er das Bürgerrecht und konnte als Römer leben und der Furius würde ihm bestimmt viele Türen öffnen können, die ein einfacher Kelte niemals durchschreiten könnte. Ich seufzte laut und rieb mir noch einmal den schwangeren Leib, ehe ich mich wieder auf meine Pflichten konzentrierte.
Rhea war gerade damit fertig geworden, das Haus notdürftig aufzuräumen, als ich mich von der Bank erhoben hatte und nach dem Futtereimer für die Tiere bückte. Sie war immer noch die treue Seele des Hauses und eines der besten Geschenke des Furius. Freigelassen wollte sie nicht werden, sondern nur Teil der Familie bleiben und das war mir ganz recht. Mir war es ohnehin gleich, was irgendwo auf einem nutzlosen Stück Papier stand und eine Sklavin war sie für mich ohnehin nie gewesen. Bevor ich noch etwas sagen konnte, sah mich Rhea mahnend an und zeigte auf die gepolsterte Liege und nahm mir den Eimer aus der Hand. "Du weißt, dass du dich schonen musst, Deirdre! Gib das her und lass mich das machen!"
Ich hob nur die Arme um zu zeigen, dass ich kapitulierte, ehe Rhea lachend mit dem schweren Futtereimer davonzog um die Kuh, die Hühner und die Ziegen zu füttern. Später waren die Jungs heute mit dem Ausmisten dran und ich war gespannt, ob das heute noch stattfinden würde oder ob sie wieder irgendeine Ausrede finden würden wie "der Papa braucht noch gaaaaanz viel Hilfe in der Schmiede!" oder "die alte Cerna brauchte Hilfe beim Holz hacken und da mussten wir mit dem Stapeln helfen!" und andere ausgedachte Hürden. Hoffentlich waren sie wirklich bei ihrem Vater und gingen ihm zur Hand und zogen nicht wieder Streiche spielend durch die Gegend wie eine Bande von Streunern. Söhne waren so anstrengend...Mädchen waren so viel einfacher!
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