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Es wurde doch noch ein langer Tag und erst später holte Scaevus die Post wieder aus dem Cubiculum, um die Saturninus vorzulesen. Er ordnete sie nach Wichtigkeit - und der wichtigste Brief trug das Siegel der Domina, was der Sekretär natürlich erkannte:
" Domina Serena hat geschrieben" , kündigte er an.
"
Hoffentlich keine schlechten Nachrichten", sagte Saturninus sofort wieder hellwach.
" Bestimmt nicht, die edle Domina hat doch eigenhändig gesiegelt", antwortete Scaevus.
"
Lass hören", forderte Saturninus Scaevus auf, ohne nun mit seinem Sklaven darüber zu diskutieren, was alles schlechte Nachrichten sein könnten. Beispielsweise war die edle Furia Serena für eine Patrizierin gerade unverschämt fruchtbar. Heutzutage folgte man zumindest im Adel nicht mehr den Sitten der Vorfahren, Kinder auszusetzen, wenn man es sich leisten könnte, sie aufzuziehen. Das galt als grausam. Aber: Gleich zwei weitere Mädchen, die später standesgemäß ausstaffiert und verheiratet werden mussten.
Scaevus las vor:
An den edlen Tib. Furius Saturninus
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Villa Furia
Iscalis
Es grüßt dich deine dir treu ergebene Gattin und Dienerin, Furia Serena, aus Tusculum. Ich hoffe, dass die Götter dir wie immer wohlgesonnen sind und es unseren edel geborenen Kindern gut ergeht. Antias und deinen Töchtern hier in Tusculum geht es gut und sie haben sich sehr über deinen letzten Brief und die Geschenke zu Saturnalia gefreut. Deine Großzügigkeit steht deinem edlen Geblüt in nichts nach, hab Dank dafür.
Wie in deinem letzten Brief gewünscht, hat mich der Medicus erneut untersucht und mir bescheinigt, dass ich nun vollends erholt bin und meiner Rückkehr nach Britannia nichts im Wege steht. Bitte lasse mich wissen, ob dies ebenfalls deinen Wünschen entspricht und ich werde mich im Frühsommer eiligst auf den Weg machen, sollte es zu deinem Gefallen sein.
In Liebe und Demut erwarte ich deine Antwort,
Furia Serena |
Sofort stand Saturninus das Bild seiner geliebten Frau im Sinn, und seine Augen wurden feucht. Er glaubte fast, ihre Stimme zu hören. Seine edle Furia Serena! Wer kann ihr gleich an Würde und tugendhaftem Verhalten? Wie einst Livia Augusta webte sie noch alle Kleider selber. ...Saturninus erster Impuls war eine ungetrübte Freude: Er hatte seine Frau seit Jahren schon entbehren müssen. Immer wieder war ihr von Britannia und dessen kalten Wintern abgeraten worden. Die kurzen Besuche wogen die vermisste Zweisamkeit nicht auf
Gerade hatte es sich so gut mit Medicus Primus angelassen, jetzt, wo der Herbst bald kam, und auch Saturninus nicht gerne alleine war. Primus war für Carus eine große Hilfe, und außerdem war er sehr attraktiv und willig. Saturninus hatte nicht vor, den Geliebten völlig aufzugeben, doch nun war wieder viel mehr Diskretion gefragt als die ganze Zeit über nötig gewesen war. Er und Primus würden nicht mehr so offen turteln oder im ganzen Haus stöhnen und schreien dürfen. Ob Primus das verstehen würde? Oder würde er glauben, er, Saturninus, schäme sich seiner?
Über diese Brücke gehe ich, wenn ich vor ihr stehe, dachte Saturninus, und vertagte das notwendige Gespräch in weite Zukunft. So eine Seereise dauerte ja auch eine ganze Weile ..
Die älteren Kinder hatten die Mutter auch vermisst, und gerade Saturnina fehlte offensichtlich die mütterliche Zucht.
Als Saturninus an die Kinder dachte, dachte er an Victor. Da würde er auch Serena einiges erklären müssen. Sie würde ihn nicht offen kritisieren, doch der Furius wünschte ganz und gar keine Distanz zwischen sich und seiner Ehefrau. Wenn sie Victor sehr missbilligte, müsste er... Wie wäre es mit einem Studienjahr in Athen? Saturninus war nur zwei Jahre älter gewesen als Victor jetzt, als er bei dem berühmten Philosophen Ammonius studieren durfte. Ach, Saturninus beschloss, darüber, wie er seiner Frau die Anwesenheit des Jungen unter ihrem Dach gut verkaufen könnte, noch in Ruhe nachzudenken. Serena besaß einen gesunden Sinn für alles, was die Macht der Furier mehrte, und ein zukünftiger Centurio würde einen guten Eindruck beim Kaiser machen.
" Schreib!" befahl Saturninus, und Scaevus schabte mit seinem Griffel die Worte auf eine dreifach ausklappbare Tabula:
"
Tiberius Furius Saturninus grüßt seine geliebte Gattin Furia Serena.
Mit unbändiger Freude und Erleichterung habe ich deinen Brief empfangen, der mir die frohe Botschaft deiner Genesung brachte. Ich habe sogleich den Gesundheit gewährenden Göttinnen Salus und Minerva gedankt, die meine täglichen Gebete erhört haben. Ihr Schutz soll dich auch auf dem Heimweg begleiten.
Da du nun vollends wiederhergestellt bist, befehle ich dir, dich beim ersten Aufleuchten des Frühsommers eiligst auf den Weg zu machen. Dein Platz und der unserer Kinder ist hier in Britannia, wo die älteren Geschwister bereits ungeduldig auf euch warten.
Mein Herz sehnt sich nach dir und unseren Kindern. Wie sehr brenne ich darauf, meinen Sohn Antias wieder zu sehen, den du als Säugling von mir fortgeführt hast und der nun gewiss zu einem stattlichen Knaben herangewachsen ist. Auch meine süßesten Töchter, die mir das Schicksal bei meinen Besuchen in Tusculum geschenkt hat, will ich endlich in die Arme schließen. Es ist nun an der Zeit, dass das Haus der Furier wieder unter einem Dach vereint wird.
Für deine Reise und dein gesamtes Gefolge habe ich dank meines Amtes die sicherste und schnellste Route über Gallien geordnet. Befolge meine Anweisungen genau:
Du wirst Tusculum mit den Kindern und deiner Entourage verlassen und dich nach Ostia begeben. Dort liegt das Schiff Neptunus Custos bereit. Vertraue dich ganz seinem Kapitän an, meinem Freigelassenen Furianus Barca. Er wird dich auf sicherem Kurs über das Mittelmeer bis nach Massilia in Südgallien bringen.
In Massilia endet die Seereise für die Neptunus Custos. Ich habe dir staatliche Reisepässe, die evectiones, zukommen lassen. Mit diesen stehen dir und den Kindern an jeder kaiserlichen Poststation frische Zugtiere und komfortable Wagen zur Verfügung. Ihr werdet Gallien von Süden nach Norden auf den sicheren Staatsstraßen durchqueren.
Am Oceanus angekommen, im Hafen von Portus Itius, werdet ihr den Ärmelkanal mit einem Schiff der Flotte überqueren. Die Überfahrt ist kurz und wird euch rasch nach Britannien bringen, von wo aus ihr direkt nach Londinium reist.
In Londinium angekommen, wirst du mit den Kindern im Hause der edlen Fabia Tertia einkehren, um dich von den Strapazen der Reise zu erholen. Sobald du dort Quartier bezogen hast, schicke mir sofort einen reitenden Boten nach Iscalis. Ich werde dir eine Eskorte entgegenschicken, die dich auf den verbleibenden neun Tagesreisen sicher zu unserer Villa geleitet.
Reise in Frieden und unter dem Schutz der Götter Roms, meine edle Gemahlin. Ich, Tiberius Furius Saturninus, erwarte dich in tiefer Sehnsucht und Liebe."
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