Der Silberhändler Andrippus gab einen Brief zu Händen der edlen Furia Stella beim Gabinierhof ab:
Claudia Sabina sendet ihrer liebsten Furia Stella einen Gruß.
Setz dich am besten hin, meine Gute und Liebe,
und gieße dir einen Becher deines besten Falerner-Weins ein.
Wenn diese Wachstafel dich erreicht, ist meine zweite Ehe bereits
so gründlich Geschichte wie die Republik.
Ja, du liest richtig. Das Tischtuch zwischen mir und meinem
zweiten Gemahl ist zerschnitten, die Mitgift wandert zurück
und das Ehebett ist kalt.
Doch weine nicht um mein kurzes Glück:
Mein geschätzter Vormund hat mir keine Tränen gegönnt, sondern mich
sofort auf dem Heiratsmarkt neu taxiert.
Man sagt, aller guten Dinge seien drei,
und so werde ich bald wieder den Flammeum anlegen.
Mein zukünftiger Gebieter ist kein Geringerer als
Servius Cornelius Scipio Salvidienus Orfitus. Du siehst, ich heirate
in die allerhöchste, wenn auch gefährlichste Nostalgie Roms ein.
Dein treuer Gabinius wird nun zweifellos den Kopf schütteln.
Ich ahne, dass er nicht viel von mir hält.
Richte ihm dennoch meine wärmsten Grüße aus
und versichere ihm, dass das Leben als Schachfigur ungemein spannend ist.
Doch nun zum wichtigsten Punkt, der mein Herz trotz allem
erwärmt: Mein ehrwürdiger Scipio Orfitus - er hat mir geschrieben - zeigt eine ganz unerwartete, fast schon rührende Großmut. Er verlangt ausdrücklich danach, meinen Sohn – deinen kleinen Pflegling – in seinem Haus willkommen zu heißen.
Ich werde mein Kind also bald aus deiner behüteten, idyllischen Festung abholen müssen.
Bereite ihn darauf vor, die ländliche Ruhe gegen das Vipernnest Roms einzutauschen.
Habt ihr die griechische Amme und ihr Kind noch? Es tut Cato Minor vielleicht gut, wenn er zu Anfang wenigstens vertraute Gesichter um sich hat. Meines kennt er ja nicht.
ich bete zu Isis um Schutz für dich und dein Haus. Bis bald
![[Bild: Claudia-(1)-(1).png]](https://i.postimg.cc/cLNP4MY9/Claudia-(1)-(1).png)
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