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Sklaven im römischen Reich
Vor 11 Stunden,
Beitrag #7
RE: Sklaven im römischen Reich
Konfliktlösungen:

Zufluchtsorte für grausam behandelte Sklaven in Britannia:

Wenn ein Sklave in den Provinzen der extremen Grausamkeit seines Herrn entfliehen wollte, ohne  als Entflohener (fugitivus) gejagt zu werden, gab es im römischen Recht eng definierte religiöse und staatliche Asylstätten:
- Kaiserstatuen und -bilder: Das wichtigste rechtliche Ventil war Asylrecht an kaiserlichen Monumenten. Floh ein Sklave zu einer Statue des regierenden Kaisers – die auf dem  Forum jeder größeren Stadt wie Londinium oder Iscalis stand – stand er unter provisorischem Schutz. Niemand durfte ihn dort gewaltsam weg bringen, ohne das Majestätsrecht zu verletzen.

Nach dem Erreichen der Kaiserstatue musste der Fall vor den Statthalter oder seine juristischen Stellvertreter gebracht werden. Stellte die Behörde fest, dass die Grausamkeit des Herrn das (ohnehin weite) legale Maß an Züchtigung überschritt oder den Sklaven zum Hungertod trieb, konnte der Statthalter den Herrn per Dekret zwingen, den Sklaven zu verkaufen. So kam der Sklave zu einem neuen Besitzer, was oft seine einzige Rettung war.

Auch bedeutende Tempelbezirke boten traditionell Asyl. In Britannia boten sich hierfür die großen Heiligtümer an, wie etwa der Tempel des Sulis Minerva in Aquae Sulis (Bath) oder der monumentale Tempel des Claudius in Camulodunum. Die Priesterschaft vermittelte in solchen Fällen häufig zwischen Herrn und Sklave.


Die Saturnalia als psychologisches Ventil für die Sklaven

Die Saturnalien (vom 17. bis 23. Dezember) waren das populärste Fest des römischen Jahres und wurden auch von den in Britannia stationierten Legionen und den romanisierten Eliten intensiv gefeiert – trotz des meist nasskalten, britannischen Dezembers.
Das Fest erinnerte an das goldene Zeitalter des Gottes Saturn, in dem es keine Klassenunterschiede gab. Für wenige Tage wurde die gesellschaftliche Hierarchie komplett auf den Kopf gestellt. Sklaven durften spielen, trinken und mussten oft keine reguläre Arbeit verrichten.
Es war Brauch, dass die Herren ihre Sklaven während der Saturnalien bedienten oder zumindest gemeinsam mit ihnen an einem Tisch speisten. Sklaven durften in dieser Zeit offen ihre Meinung sagen, scherzen und die Fehler ihrer Herren (ungestraft) kritisieren. Am Tag danach kehrte man jedoch zum Alltag zurück.

Das Phänomen der „Scheinsklaven“ (bona fide serviens - Sklaven im guten Glauben)


Das Phänomen, dass sich Freie, ja sogar römische Bürger,  freiwillig als Sklaven ausgaben, war in der Kaiserzeit eine bekannte juristische Grauzone. Aus heutiger Sicht mag es paradox erscheinen, seine Freiheit aufzugeben, doch im antiken Rom bot diese „Scheinsklaverei“ handfeste Vorteile: Die ärmste freie Schicht lebte oft in extremer Armut und Elend. Ein Sklave in einem wohlhabenden Haushalt hatte ein garantiertes Dach über dem Kopf, feste Nahrung, medizinische Versorgung und oft eine weitaus höhere Lebensqualität als ein hungernder freier Tagelöhner.
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