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RE: Wohnraum | Der Besuch des Vaters
Mebh verzog empört das Gesicht und drückte die Tabula fester an ihre Brust, als ihr Vater eintrat und ihre Geschwister sich bereits auf ihn stürzten.
"Ich habe doch gar nicht gemalt, Papa!", erklärte sie und reckte ihm mit einer Mischung aus Entrüstung und Stolz die Wachstafel entgegen. "Ich habe geschrieben!" Auf der dunklen Wachsfläche zog sich das Alphabet in sauberen Reihen entlang. Jeder Buchstabe war sorgfältig mit dem Stylus eingeritzt worden. "Von A bis X", verkündete sie stolz. "Nur beim Q musste ich einmal neu anfangen."
Doch als ihr Vater ihr ein Geschenk überreichte, war die Tabula plötzlich Nebensache. Freudig nahm sie ihre neue Holzpuppe entgegen und schloss sie ebenso fest in die Arme wie kurz zuvor ihre Tabula.
"Oh Papa, ist die schön! Schau nur, Mama!" rief sie. "Danke Papa! Vielen Dank!"
Aislinn hatte inzwischen tatsächlich begonnen, die Rassel auf den Kopf zu stellen. Als das leise Vogelzwitschern erklang, riss sie begeistert die Augen auf.
"Noch mal! Noch mal! Hörst du das, Mama? Sie singt!"
Neben ihr jagte ihr Bruder seinen neuen Rennwagen bereits über die Bodenfliesen. "Schneller als alle Pferde in ganz Britannia!", verkündete er und ließ den Wagen gegen einen Tischfuß rasen. "Wums!" kommentierte er den Unfall. "Achtung, gleich geht es wieder los," rief er begeistert mit verstellter Stimme "Und Papa fährt mit!"
Das fröhliche Stimmengewirr erfüllte den Raum. Im Vorbeigehen fiel mein Blick auf den Mantel, den Saturninus achtlos dort hatte liegen lassen, wo er ihn ausgezogen hatte. Mit einem amüsierten Schütteln des Kopfes hob ich ihn auf. Manchmal vergaß er noch immer, dass es hier keine Sklaven gab, die hinter ihm herräumten. Ich hängte das schwere Kleidungsstück an den Haken neben der Tür und strich die feuchten Falten glatt. Kaum hatte ich mich wieder umgewandt, war er auch schon bei mir. Seine Arme schlossen sich um mich, und sein Kuss ließ mein Herz für einen Augenblick schneller schlagen.
Während die Kinder ihre Geschenke bestaunten, sah ich Saturninus aufmerksam an. Ich kannte ihn inzwischen gut genug, um hinter das müde Schmunzeln zu blicken.
"Du törichter Mann ..." Meine Stimme war sanft. "Du hast an jedes einzelne Kind gedacht. Du bist trotz all deiner Verpflichtungen noch zu uns gekommen. Und du bist jetzt hier bei uns." Ich strich mit dem Daumen über seine Haut.
"Und trotzdem glaubst du, ich würde mich um ein Schmuckstück sorgen?" Als ich seinen Einwand bereits mit einem leichten Kopfschütteln abwehrte, fragte ich leise: "Weißt du, was du mir mitgebracht hast?" Ein zärtliches Lächeln erschien auf meinen Lippen. "Dich."
Für einen Augenblick wurde es überraschend still. Dann verdrehte Mebh mit der ganzen Dramatik einer Achtjährigen die Augen. "Mama wird schon wieder romantisch."
"Ja!", stimmte Chonchbhair sofort zu. "Sie küsst Papa bestimmt gleich wieder!" Aislinn klatschte begeistert. "Ja! Küssen! Küssen! Küssen!"
Ich wurde leicht rot, zog Saturninus aber demonstrativ näher zu mir. "Siehst du? Nicht einmal die Kinder glauben, dass ich ein Geschenk brauche."
"Nein!", rief Chonchobhair. "Mama hat doch uns!"
Einen Herzschlag lang wurde mir ganz weich ums Herz. "Genau", sagte ich leise und blickte Saturninus an. "Und das reicht mir vollkommen."
Noch einen Moment blieb ich so stehen, eingehüllt in die Wärme seiner Nähe und das fröhliche Durcheinander der Kinder. Dann drang erneut der Duft des Eintopfs aus der Culina zu mir herüber. Ich lächelte und löste mich widerwillig ein Stück weit von Saturninus.
"So", verkündete ich und klatschte einmal in die Hände, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu gewinnen. "Bevor Chonchbhairs Pferde verhungern und Aislinns Vogel das Singen einstellt, setzen wir uns jetzt alle an den Tisch. Lasst uns nun essen."
Ich sah auch zu Siofra einladend hinüber und bedeutete ihr mit einem Lächeln, sich zu uns zu setzen.
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