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Unter dem Albenstern
10-20-2026, 01:24 PM,
Beitrag #4
RE: Unter dem Albenstern
Winter 831 A.U.C

Wir mussten noch weitere drei Tage durch den Nebel reiten, bis wir endlich Alpias Sippe erreichten und uns wieder lebende Seelen begegneten. Die ganze Reisegruppe war schon unruhig gewesen wegen dem nicht enden wollenden Nebel, der sich wie eine Glocke über das Land gelegt hatte. Selbst der alte Kämpe Cornell hatte schon von Feenzaubern gemurrt, während wir uns langsam mit Schrittgeschwindigkeit durch den Nebel kämpften. Umso größer war die Freude, als wir endlich die Siedlung erreichten und uns dort Lachen, Lichter, Gesellschaft und warme Betten erwarteten. 

Wir wurden freundlich aufgenommen und in Windeseile wurde ein Fest von Artenc und seinem Dutzend Nebenfrauen organisiert. Auch Alpias Mutter war erfreut, dass sie ihre Tochter doch noch einmal zu Gesicht bekam und sie schloss sich direkt der Meute emsiger Frauenhände an, die ein Festessen für uns vorbereitete. Die Männer wurden schnell untergebracht und auch die Pferde bekamen trockene und warme Stallplätze und ich quartierte mich in Artenc' großen Rundhaus ein, das er mit seiner Hauptfrau bewohnte. Ein bequemes Bett und ein warmes Feuer wurde mir auch gut tun, statt immer nur im Kalten zu pennen. 

Da es bereits Mittwinter war, war eine Rückkehr nach Isurium vor dem Frühjahr ohnehin nicht möglich und so verbrachten wir die folgenden Wochen bei den Pikten in Alba. Wir feierten die traditionellen Feste und brachten angemessene Opfer dar. Vor allem Alpia schien so glücklich zu sein im Schoß ihrer Sippe mit ihren Eltern. Im härtesten und dunkelsten Winter strahlte sie wie eine Frühlingsblume mit jedem Tag mehr. Hätte ich gekonnt, dann hätte ich sie ehrlicherweise einfach hier gelassen, wo sie viel glücklicher schien. Wirklichen Bedarf an ihrer Gesellschaft hatte ich auch nicht, auch wenn ein warmes Bett natürlich immer gemütlich war. 

Für mich zogen sich die Tage endlos dahin und oft saß ich im Stall bei meinem Pferd und spielte mit dem waidfarbenen Tuch, das mir meine liebste Rhian mitgegeben hatte. Ich hoffte, dass sie spüren konnte, wie sehr sie mir fehlte. Ob sie mich mit ihren Priesterkünsten hier sehen konnte? Wie es wohl unseren Töchtern ging und Cormac und Alpin? Oft überlebten Neugeborene harte Winter nicht so einfach. Ich hatte so viele Fragen und keine Antworten. Meine Reisegefährten dagegen ließen es sich gut gehen und der alte Cornell hatte sich sogar in eine der Piktinnen verliebt und sie nach Piktensitte geheiratet und wollte sie heimführen nach Isurium. Ich konnte mir das Schmunzeln darüber kaum verkneifen, wenn ich den alten Ochsen sah.

Meine Gespräche mit Artenc waren allesamt gut verlaufen und nächsten Sommer würden wir weitere Wagenladungen Erze gegen Holz und Korn tauschen, damit wir neue Waffen schmieden konnten. Erz war immer ein kostbarer Engpass, was die Bewaffnung der Briganten anging und diese Handelsbeziehungen würden dieses Problem beheben. Als endlich der Frost vorüber war und die ersten Frühlingsblumen erblühten, konnten wir endlich wieder gen der Heimat aufbrechen. Ich konnte es kaum erwarten, wieder nach Isurium zurück zu kehren. Alpia dagegen schaute nur traurig drein und verfiel wieder in ihr stoisches Schweigen, als unsere Pferde die Siedlung ihrer Sippe hinter sich ließen.
[Bild: 3_15_08_22_9_38_19.png]
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Unter dem Albenstern - von Cahir - 09-19-2026, 12:34 PM
RE: Unter dem Albenstern - von Rhian - 09-20-2026, 04:48 PM
RE: Unter dem Albenstern - von Cahir - 09-23-2026, 11:33 AM
RE: Unter dem Albenstern - von Cahir - 10-20-2026, 01:24 PM

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