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RE: Die Gesellschaftsordnung der britannischen Kelten
Die Römer als Besatzungsmacht
Mit dem Einmarsch der Römer veränderte sich die Gesellschaft drastisch. Rom regierte anfangs indirekt über Klientelkönige. Dies führte zu einer Spaltung der keltischen Elite:
- Ein Teil passte sich an, zog in die neu gegründeten römischen Städte, lernte Latein und übernahm den römischen Lebensstil.
- Ein anderer Teil leistete erbitterten Widerstand, was zur Zerschlagung ganzer Stämme und der systematischen Vernichtung des Druidenordens (wie beim Massaker auf der Insel Mona/Anglesey im Jahr 60 n. Chr.) führte.
Während sich für die arme Landbevölkerung im Alltag zunächst wenig änderte, verlor die traditionelle keltische Gesellschaftsstruktur im Süden und Osten Britanniens bis zum Ende des Jahrhunderts rasant an Boden und ging in der neuen britannisch-römischen Mischkultur auf. Nur im unbesetzten Norden (Schottland) und Westen (Irland) überlebten die alten Strukturen unverändert.
Das System der Klientelkönige hatte für Rom lange Zeit den Vorteil, dass befreundete Herrscher zu römischen Rittern ernannt wurden, die Grenzen sicherten und Steuern eintrieben, ohne dass Rom eigene teure Legionen stationieren musste.
Unter den flavischen Kaisern wurde dieses System jedoch allmählich als Sicherheitsrisiko eingestuft. Die Auflösung erfolgte in Britannien schrittweise: Unter Kaiser Domitian kam es in zu einer Verschärfung der militärischen und politischen Kontrolle, die vor allem durch das Ende der Expansionspolitik ( Domitian verzichtete darauf, Schottland zu erobern, weil er die Legionen für seine Dakerkriege brauchte), den strategischen Rückzug und teilweise auch politische Willkür des Kaisers geprägt war:
Für die betroffenen keltischen Stämme und hier besonders für die Elite, war diese Umwandlung oft eine Verschlechterung:
- Unerbittliche Steuerbürokratie statt „Geschenken“:
Ein Klientelkönig forderte Abgaben nach traditionellem keltischem Stammesrecht. Mit der direkten Eingliederung übernahmen römische Prokuratoren (Finanzbeamte) das Kommando. Unter Domitian, der die Staatskasse sanieren und den Militärsold erhöhen musste, bedeutete dies die Einführung des extrem effizienten und unbarmherzigen römischen Zensus. Jeder Sack Getreide und jedes Stück Vieh wurde nun bürokratisch erfasst und versteuert.
- Vollständige Entwaffnung und Identitätsverlust:
Als Klientenstaat durften die Stämme oft noch eigene Krieger für ihre Verteidigung behalten. Mit der Provinzialisierung wurde die keltische Oberschicht radikal entwaffnet. Junge Männer wurden zwangsrekrutiert und als Auxiliare an weit entfernte Fronten geschickt, Familien getrennt ( ein eigenes Kapitel über die Zwangsrekrutierungen folgt noch)
- Erhöhter fiskalischer und administrativer Druck:
Domitian war für sein extrem zentralisiertes und misstrauisches Regiment bekannt. Die Verwaltung wurde nun viel akribischer kontrolliert.
- Politische Säuberungen und Terror:
Die Gefahr einer Anklage wegen vermeintlichen Hochverrats destabilisierte die politische Führung der Provinz und sorgte für ein Klima der Furcht.
Zusammenfassend bedeutete die Ära Domitian für Britannien den Übergang von einer Phase der dynamischen Integration und Eroberung hin zu einer isolierten, schwer bewaffneten Grenzprovinz, in der die Bevölkerung unter dem bürokratischen und finanziellen Druck eines autokratischen Herrschers litt.
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