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RE: Keltische Religion
Die Interpretatio Romana: Die Verschmelzung der Welten
Als die Römer Britannien eroberten, versuchten sie wie anderswo auch nicht, die lokalen Kulte der einheimischen Bevölkerung auszulöschen (mit Ausnahme der Druiden, die als politische Unruhestifter galten). Stattdessen wandten sie das Prinzip der Interpretatio Romana an: Sie suchten nach Gemeinsamkeiten, setzten keltische mit römischen Göttern gleich, gaben den keltischen Göttern römische Namen und Eigenschaften, um die Religion der Unterworfenen zu integrieren und kontrollierbar zu machen.
Aus dieser Verschmelzung entstanden faszinierende Mischgötter (Synkretismus), die sowohl von keltischen Britonen als auch von römischen Soldaten und Siedlern verehrt wurden:
Minerva - Sulis, die römische Göttin der Weisheit und die britannische Göttin der Heilung, Britannia ( die einheimische Göttin Brigantia als Schutzgöttin der römischen Provinz), Taranis Iuppiter ( Donnergötter), Mars Belatucadrus, Mars Cocidius, Mars Ocelus Vellaunus,...etc
Römische Götter in Britannien
Die Römer brachten ein extrem facettenreiches Spektrum an Gottheiten nach Britannien – von ihren klassischen Staatsgöttern über Alltags- und Handelsgötter bis hin zu den geheimnisvollen Mysterienkulten aus dem Osten. Diese Götter veränderten das Leben, die Kunst und das Denken der einheimischen Britonen nachhaltig.
- Mithras (Aus Persien):
Rolle: "Soldatengott" und Erlöser
Seine Tempel (Mithräen) waren unterirdische, fensterlose Höhlen. Das berühmteste Britannien-Mithräum wurde mitten in London (London Mithraeum) ausgegraben, weitere direkt an der schottischen Grenze am Hadrianswall (z.B. in Carrawburgh). Er beeinflusste vor allem die in Britannien stationierte militärische Elite.
- Isis & Serapis (Aus Ägypten):
Die Göttin mit den zehntausend Namen und ihr Partner Serapis wurden von Händlern und Beamten eingeschifft. In London fand man einen Krug mit der Aufschrift Londini ad fanum Isidis („In London beim Tempel der Isis“), was beweist, dass sie ein eigenes Heiligtum in der Metropole besaß.
- Mercurius:
Er war der mit Abstand am häufigsten verehrte rein römische Gott bei der einfachen Bevölkerung. Die Britonen, die zuvor Tauschhandel betrieben, lernten durch ihn das römische Marktwesen und die Geldwirtschaft kennen. Überall in Britannien fand man kleine bronzene Merkur-Statuetten in den Hausaltären (Lararien) gewöhnlicher Menschen.
- Priapus / Silvanus (Fruchtbarkeit & Feldarbeit)
Die Römer brachten neue Agrartechniken und Gartenkulturen auf die Insel. Priapus (als Schutzgott der Gärten) und Silvanus (Gott der Felder und Grenzen) wurden von britischen Bauern schnell adoptiert, um ihre Ernte zu sichern.
Der Kaiserkult (Divus Augustus):
Die Römer brachten den Glauben mit, dass verstorbene (und manchmal lebende) Kaiser göttlich seien. Der gigantische Tempel des Claudius in Colchester war das Zentrum dieses Kultes. Er war den Britonen anfangs so verhasst als Symbol der Unterdrückung, dass die Rebellenkönigin Boudicca ihn als Erstes dem Erdboden gleichmachte. Später wurde der Kult jedoch fester Bestandteil der romano-britischen Identität.
Die Kapitolinische Trias (Iuppiter, Iuno, Minerva):
In jeder neu gegründeten römischen Stadt (wie Camulodunum/Colchester, Verulamium/St Albans oder Corinium/Cirencester) bauten die Römer monumentale Tempel für diese drei Hauptgötter. Für die britische Oberschicht wurde es zu einer Frage des sozialen Aufstiegs und der Politik, an den offiziellen Opfern für Jupiter Optimus Maximus teilzunehmen.
- Dis Pater / Pluto & Die Parzen (Schicksalsgöttinnen):
Die Römer brachten die Praxis der Fluchtafeln (Defixiones) mit. Wenn ein Britannier bestohlen wurde oder Rache suchte, schrieb er den Namen des Täters auf ein Bleiplättchen und übergab es den römischen Unterweltgöttern. Hunderte dieser Tafeln wurden in den Quellen von Bath und im Amphitheater von Caerleon gefunden. Die Kelten lernten hierdurch, ihre Götter wie in einem römischen Rechtsvertrag anzurufen.
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