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Der Dicke beißt sich durch
05-30-2026, 05:15 PM,
Beitrag #1
Der Dicke beißt sich durch
Rufus war mittlerweile schon Jahre bei den Adlern. Er war zuverlässig und ein Arbeitstier und bei seinen Kameraden beliebt, wenn er auch nicht der Erste war, den man auf eine Sauftour mitgenommen hätte. Es gab immer etwas Reserviertes bei Rufus. Man hätte es für Vornehmheit oder gar Dünkel halten können, doch das war nicht so. 
Als Junge hatte sich Asinius Rufus in seine Tante Fabata verliebt. Er hatte gewusst, dass diese Liebe ohne Zukunft war, erstens war sie verheiratet und hatte vier Kinder, und zweitens war sie viel zu eng mit ihm verwandt, als dass er sie hätte heiraten können. Es blieb also bei einer Schwärmerei. Er schrieb ihr gefühlvolle Briefe, aber er erhielt nie eine Antwort. Dennoch war Fabata für Rufus die Idee der Liebe, rein und fein und was fürs Herz.
Dieses sehr einseitige Idyll ( Fabata hatte Rufus immer wie einen Neffen behandelt) wurde jä beendet, als der Gasthof seiner Tante, das Weiße Pferd, in Flammen aufging. Das Ehepaar starb, um die vier  verwaisten kleinen Nichten kümmerten sich nun seine- Rufus- Eltern. Fabatas Tod war aber etwas, was Rufus veränderte. Er war tapfer gewesen, nun wurde er geradezu tollkühn. Er war fleißig gewesen, nun war er besessen von Arbeit. Er lebte nur noch für die Legion. Sie war das einzige, was ihm Sinn im Leben gab. Rufus besuchte auch seine Familie kaum noch. Er wollte die kleinen Nichten nicht sehen. 
Aber die Familie kam nun zu ihm, sozusagen. Sein jüngerer Bruder, er hieß auch Lucius, die Eltern hatten wenig Phantasie bei der Benennung ihrer Sprösslinge, war als Rekrut eingetreten. 
Rufus ignorierte ihn. Er machte ihm klar, dass er keine Lust hatte, Kindermädchen zu spielen. Aber Nero hatte ihm eine Nachricht zukommen lassen. Er wollte ihn treffen. Hier bei den Werkstätten. 
Rufus war da. Er war zuverlässig. Aber er war nicht im Geringsten bewegt.
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06-10-2026, 04:18 PM,
Beitrag #2
RE: Der dicke Bruder will sich durchbeißen
Nero kam herbei. Er schlich nicht, er ließ die Schultern nicht hängen, aber man merkte doch, dass er Schmerzen litt. Es war keine Verletzung, es war ein diffuser Schmerz, der ihm nicht den Schlaf raubte, der aber immer präsent war, als hätte man ihn vor Wochen verprügelt. Er wurde jeden Tag  symbolisch sozusagen verprügelt.
Vor Rufus blieb er stehen: "Salve!", sagte er: "Ich soll dich von den Eltern grüßen"
Etwas lahm ließ er sich an Rufus Seite nieder. Sein Bruder sah  gut aus. Stark, wie jemand, der wusste, was er konnte und wollte. Wie ein Mann. Wie ein echter Soldat Roms.
Nero wusste nicht, was Rufus über ihn wusste oder auch nicht. Er interessierte sich nicht sonderlich für ihn, das wusste er.

"Ich gehöre zum Contubernium Felicis, dritte Centurie, Cohors II", begann Nero zu erzählen: " Felix ist unser Dekanus. Er ist ziemlich ruhg und hat den Durchblick. Bellicus, Catus und Vindex sind auch in Ordnung. Sie triezen uns nicht. Fronto ist jünger und schon ein bisschen anders drauf. Aber alles im Rahmen. Außer mir gibt es noch zwei Tirones: Verus und Varro. Verus fällt auf, er ist hübsch wie Venus. Und Varro ist ziemlich schlau, glaube ich. Er hat immer alles palletti in der Birne"

Nero deutete auf seinen Kopf:

" Unser Ausbilder ist Optio Bellator"
Zu seiner Überraschung klang seine eigene Stimme ..nun ja, fast stolz. Er grinste schief:
"Der ist ein harter Hund, sagt Fronto. Dem entgeht nix. Der lässt uns exerzieren und Schlamm fressen bis zum Umfallen"

Nero kam drauf, dass all zu viel Enthusiasmus nicht angebracht war:

Er streckte den Kopf mit dem Älteren zusammen:
"Widerlicher Schleifer der! Was denkt er, was wir sind: Aus Holz? Wenn ich könnte, würde ich....", schimpfte er und wurde rot bis hinter die Ohren.
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06-14-2026, 05:20 PM,
Beitrag #3
RE: Der dicke Bruder will sich durchbeißen
"Bellator? Joo, der hat was drauf", erwiderte Rufus nach einer ganzen Weile. Auch er hatte einst seinen Ausbilder bewundert. Männer wie Fronto oder eben Bellator verlangten nie mehr von ihren Rekruten, als sie nicht bereit waren zu geben. 
Er musterte seinen Bruder, der rot geworden war. Der Kleine sah fertig aus. Rufus war nicht herzlos, er klopfte ihm auf die Schulter:
"Und du willst ihn beeindrucken, stimmts?", das war ein Schuss ins Blaue, aber er traf eben zu:
"Das wird nicht einfach, sag ich dir gleich. Also erstmal: Bestechlich ist er nicht. Das wüsste ich. Der will wirklich Leistung"
Wie in alten Zeiten beugte sich Rufus vor - und piekste mit dem Zeigefinger in Neros Bauch.
"Das ist eine Wampe. Willst du einmal sehen, wie das auch bei dir  aussehen soltel?"
Der ältere Asiniusbruder hob seine Tunika. Rufus war nicht schlank oder ließ gar seine Muskelstränge spielen. Er hatte über seinen Muskeln durchaus eine Speckschicht. Jeder Soldat wusste, dass diese einen vor tiefen Wunden bewahrte.
"Fass ruhig mal hin" Unter dem Fett war alles fest wie Eisen: "Du kannst sogar zuschlagen, das macht mir nichts. Die Ausbldung kannst du nicht ändern. Aber du musst härter werden, dann macht es dir weniger aus. Hart - außen und innen"
Rufus grinste. Halb wartete er auf einen blöden Witz von Nero. Aber da kam keiner. Der Junge hing an seinen Lippen:
"Du solltest trainieren. Jeden Abend. Damit Bellator einen Mann ausbilden kann und keinen Schlaffi"
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07-13-2026, 10:31 PM,
Beitrag #4
RE: Der Dicke beißt sich durch
Das mit dem.Schlaffi traf Nero empfindlich. Sein Bauch war wirklich etwas rundlich. Aber jeden Tag trainieren? Jeden Tag und das selbstverständlich nach all dem Dienst und den vielen Pflichten? Wenn die Kumpel sich schon hinlegen und pennen durften, dann würde er, Nero, noch einmal los müssen. 
Er schluckte: " Was muss ich tun?", fragte er düster.
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07-13-2026, 11:25 PM,
Beitrag #5
RE: Der Dicke beißt sich durch
"Du schmeißt du ab heute deine  Bequemlichkeit über Bord.  Jeden verdammten Tag, vom Sol oriens bis zum Sol occidens. Verstanden?
Du stehst eine Stunde vor der ersten Nachtwache auf. Du nimmst deine Sarcina – das Marschgepäck – und packst statt Proviant schwere Flusssteine rein. Damit rennst du um  den Lagerwall. Wenn die anderen Rekruten aufwachen, hast du bereits drei Meilen hinter dir. Das vertreibt den Speck von den Rippen, sag ich dir.
Kennst  du die hölzernen Übungspfähle auf dem Campus ?
Einer davon ist ab jetzt dein bester Freund. Du nimmst dein hölzernes Übungsschwert. Und dann stößt du nach dem Pfahl. Stoßen, Nero, nicht schlagen! Immer auf Kinnhöhe und in den Bauch. Zweihundert Stöße links, zweihundert rechts. Bis deine Hände bluten und Hornhaut bilden. Nur so kannst  du im Gefecht die Linie halten.
Und nach dem Dienst sind deine Ärmchen dran. Nimmst den Schild und halte ihn im Ausfallschritt angewinkelt vor dich hin. Du bewegst dich nicht. Eine halbe Stunde lang. Wenn der Arm zittert, hältst du ihn höher.
Danach geh in die Hocke, tief runter, und leg dir irgendwas, was ein tüchtiges Gewicht hat, auf die Schultern. So simulieren wir das Gewicht der Lorica Segmentata – deiner Rüstung. Rauf und runter, bis die Oberschenkel brennen...."

Rufus unterbrach sich und schaute in Neros vor Schreck geweitete Augen. Aber der Junge hatte Bescheid wissen wollen, den bekam er nun.
" Und Schluss mit Mamas Kuchen" , sagte Rufus ohne ein nachsichtiges Lächeln. Er meinte es ernst:
" Puls, Speck und Posca, das reicht für einen braven Soldaten. Wenn du  unbedingt was Süßes brauchst, dann schnorr dir einen Apfel."
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