Das feuchte, kühle Licht des britannischen Morgens drang nur spärlich durch die schmalen Fensteröffnungen des Tablinums, in dem sich der schwere Duft von importiertem Weihrauch gefangen hatte.
An der Stirnseite des Raumes zog das hölzerne Lararium die Blicke auf sich; die kleinen, bronzenen Larenfiguren glänzten im flackernden Schein der Öllampe. Direkt daneben thronten in Nischen zwei Ahnenbüsten aus Wachs, deren Züge im Halbdunkel streng wirkten. Am prominentesten platziert war die idealisierte Darstellung des Telegonus, des mythologischen Stammvaters der Furier. Seine gemeißelten Augen blickten unerbittlich auf die versammelte Hausgemeinschaft hinab, als forderte er von jedem Einzelnen die Aufrechterhaltung römischer Disziplin und römischer Haltung.
Die Hauskinder , Diener, Sklaven und Angestellten des Hauses hatten sich im weiten Halbkreis aufgestellt, und die feine, unerbittliche Hierarchie des Haushalts bildete sich in ihrer Aufstellung ab. Ganz vorne standen die Hauskinder, der halbwüchsige Tiberius Victor, die zwölfjährige Saturnina und der junge Carus mit seiner Kinderfrau Phaedra. Carus hatte den Mund halb geöffnet und seine Aufmerksamkeit galt einem Lichtfleck auf dem Boden, der von den glänzenden Laren geworfen wurde.
Der alte Hausvorsteher Apollinaris stützte sich leicht auf den Arm des jüngeren Aegypters Nefertem, der ihn seit langem schon seine Bürde abnahm.
An den Flanken der Versammlung hielten die Wächter der Villa Position.
Nahe der Tür stand Leon, der spartanische Ianitor, wie eine unbewegliche Säule aus Muskeln, die Augen unaufhörlich wachsam. Neben ihm überragte Seasnán, der gallische Leibwächter, die gesamte Menge um Haupteslänge. Trotz seiner furchterregenden Statur und der breiten Schultern lag ein sanfter, fast liebevoller Ausdruck in seinen Zügen, während er ruhig auf das Geschehen blickte.
Weiter hinten im Raum weitete Batrachis ihre großen grünen Froschaugen noch mehr, während ihr eine intensive Röte in die Wangen stieg. Sie fand Medicus Primus, den sie kurz gesehen hatte, wunderschön und fragte sich insgeheim, ob er wohl die Heckenrose hinter ihrem Ohr bemerken würde oder ob er sogar ihre Hände verbinden würde, wenn sie sich das nächste Mal an den Laugenbecken verletzte.
Neben ihr wechselten Seang und Sabi einen schnellen, wissenden Blick. Die beiden Köchinnen unterdrückten nur mühsam ein Kichern; der Dominus hatte sich also ein neues, überaus ansehnliches Spielzeug gegönnt. Sie beschlossen sogleich, dass der junge Mann kräftiges Essen brauchen würde, um die anstrengenden Nächte des Herrn zu überstehen und gleichzeitig den langsamen Carus zu bändigen. Morgen würden sie ihm einen deftigen Puls mit feinstem Olivenöl kochen.
Am Lararium selbst stand Saturninus. Er sah überraschend frisch aus, was daran lag, dass er sich hatte von Leon tüchtig durchmassieren lassen. Er trug eine Haustoga, die nicht aus ganz so viel Stoff bestand wie seine offiziellen Gewänder.